Panama-Papers: Gigantisches Datenleck enthüllt Finanztricks der Elite

Das angeblich grösste Datenleck aller Zeiten trägt den Namen «Panama-Papers». Zahlreiche Prominente, Politiker und Sportler haben demnach ihr Geld in Offshore-Firmen geparkt. Die Schweiz spielt eine Hauptrolle.

» Von Fabian Vogt , 04.04.2016 09:52.

In einer beispiellosen Zusammenarbeit von Medienhäusern wurde ein gigantisches Datenleck analysiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Über 100 Medienorganisationen aus rund 80 Ländern haben in den letzten zwölf Monaten 2,6 Terabyte-Daten der panamischen Kanzlei Mossack Fonseca ausgewertet. Rund 11,5 Millionen Dokumente wurden der «Süddeutschen Zeitung» von einem unbekannten Whistleblower übermittelt, die diese anschliessend mit rund 400 weiteren Journalisten teilte. In der Schweiz war unter anderem der «Tages-Anzeiger» an der Aktion beteiligt.

Die Dokumente liefern Informationen zu über 200 000 Briefkastenfirmen, mittels derer die Kunden der Kanzlei Mossack Fonseca die wahren Inhaber einer Firma verschleiern konnten. Offshore-Firmen sind nicht per se illegal, gemäss der «Süddeutschen Zeitung» belegen die Daten allerdings «wie eine globale Industrie, angeführt von grossen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, die Besitztümer von Politikern, Fifa-Funktionären, Betrügern und Drogenschmugglern, aber auch von Milliardären, Prominenten und Sport-Stars in aller Verschwiegenheit verwaltet.»

Putin, Messi, Jackie Chan

Die Namen in den «Panama-Papers» lesen sich denn auch wie ein Who-is-Who der Polit-, Show- und Sportelite. Vladimir Putin, Lionel Messi und Jackie Chan sind nur drei Beispiele. Besonders die Politiker, allen voran der isländische Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson, dürften in den nächsten Tagen und Wochen stark unter Druck geraten. Etwas stossend ist, dass praktisch keine westlichen Länder oder Namen in den Dokumenten auftauchten. In einer Liste mit ehemaligen oder aktiven Regierungsmitgliedern taucht beispielsweise kein einziger auf, der mit den USA in Verbindung gebracht wird. Wie realistisch dsa ist, kann jeder selbst beurteilen. Allerdings ist auch erst ein Viertel der Dokumente veröffentlicht worden und möglicherweise wollen die Verfasser nach Regionen oder Themen vorgehen.

Die Daten ausgewertet haben die Süddeutsche Zeitung und das Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ). Mit dem Programm Nuix sollen sie erfasst worden und anschliessend per OCR in maschinenlesbare Form gebracht worden sein. Anschliessend konnten die Daten indiziert und durchsucht werden.

Schweiz mittendrin

Besonders prominent ist die Schweiz in den Panama-Papers vertreten. 34‘301 Einträge tauchen zu ihr auf, mehr hat nur Hong Kong. Eine Spur führt zur Fifa. Juan Pedro Damiani auf, der seit 2006 in der Ethikkommission der FIFA sitzt, soll drei im Zuge des FIFA-Skandals Angeklagten in Steueroasen zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die unter dem Deckmantel unbekannter Inhaber möglicherweise Bestechungsgelder geflossen sind. Bei den Beschuldigten soll es sich um den ehemaligen Fifa-Vize Eugenio Figueredo, den argentinischen TV-Rechtehändler Hugo Jinkis und dessen Sohn Mariano handeln. Die FIFA hat bereits eine Untersuchung eingeleitet.

Im Mittelpunkt der Panama-Papers stehen auch die Banken. Mit rund 500 davon hatte Mossack Fonseca offenbar Kontakt, darunter Credit Suisse, HSBC Schweiz und UBS. Es gibt noch weitere Spuren in die Schweiz, unter anderem soll ein früherer Partner der Anwaltskanzlei schweizer gewesen sein und Mossack Fonseca ein Büro in der Schweiz besitzen.

Kanzlei-Teilhaber Ramon Fonseca Mora wehrte sich gegen die Vorwürfe. Sein Unternehmen helfe nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung, sagte er dem Fernsehsender «TVN». Man gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht. Fonseca gibt zu, dass die Dokumente zum Teil aus seiner Kanzlei stammen. Und geht zum Angriff über: «Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen».

Für seine Firma dürfte es eng werden. Panamas Staatschef Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation seines Landes bei der Aufklärung des Falls zu. «Die panamaische Regierung verfolgt eine Null-Toleranz-Politik in allen Bereichen des Rechts- und Finanzwesens, wo nicht mit einem höchsten Mass an Transparenz gearbeitet wird», hiess es in einer Erklärung des Präsidialamts.

 

 

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