Mobiles Arbeiten führt zu Mehrarbeit aber auch mehr Autonomie

Arbeitnehmer, die mobil ihre Arbeit verrichten, arbeiten in der Regel mehr. Dennoch ist die Arbeitszufriedenheit dieser Menschen hoch, da sie mehr Autonomie haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

» Von lp, dpa, 04.09.2017 07:00.

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Arbeiten ausserhalb des Betriebs mit PC, Laptop oder Smartphone führt einer Studie zufolge zu Mehrarbeit, kann aber dennoch zufrieden machen. Wissenschaftler am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln haben herausgefunden, dass sogenannte mobile Computerarbeiter am häufigsten Arbeitstage von mehr als zehn Stunden haben. Die Arbeitszufriedenheit dieser Menschen ist trotzdem hoch.

«Das Interessante ist, dass diese Menschen dafür mehr Autonomie haben, das heisst, sie haben mehr Souveränität zu entscheiden: Wie arbeite ich, wann arbeite ich, was arbeite ich», sagte Studienautor Oliver Stettes. Insgesamt führe dies zu einer Balance. So gaben rund 63 Prozent der mobilen Computerarbeiter an, dass sie während der Arbeit ohne grosse Komplikationen ein bis zwei Stunden für persönliche Angelegenheiten frei nehmen können. Als Computerarbeiter gelten Beschäftigte, die mindestens ein Viertel ihrer Zeit mit PC, Laptop und Smartphone arbeiten.

Belastung durch ständige Erreichbarkeit

Kritiker warnen indes vor der Belastung für Arbeitnehmer durch ständige Erreichbarkeit. Eine Studie der Universität St. Gallen weisst etwa darauf hin, dass die ständige Erreichbarkeit das Familienleben und die Gesundheit stark belasten können. Die IG Metall mahnt, die gesetzlichen Grenzen für Arbeitszeiten müssten auch im digitalen Wandel erhalten bleiben.

Mobiles Arbeiten sei eine Form, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, sagt dagegen Studienautor Stettes. Ob sie genutzt werden, hänge von den Menschen und dem Betrieb ab. Dass sich die Arbeit stärker in den Privatbereich verlagert, davon geht Timo Braun, Wirtschaftswissenschaftler an der Freien Universität Berlin, jedoch nicht aus. «Bei der Telearbeit hat man schon Anfang der Neunzigerjahre gesehen, dass diese für die Betriebe nur in einem sehr begrenzten Rahmen praktikabel ist», sagt er. «Die Digitalisierung wird sich stärker auf einfache Arbeitsformen und die Produktion ausweiten, zum Beispiel auf Arbeiter am Band. Sie können zum Beispiel Maschinen per Tablet steuern und überwachen.» Potenzial für mobiles Arbeiten sieht Braun vor allem in Grossstädten in Form von Co-Working-Spaces, bei denen sich mehrere Menschen, die bei verschiedenen Arbeitgebern beschäftigt sind, ein oder mehrere Arbeitsplätze gemeinsam teilen.

Über die Hälfte der Beschäftigten arbeitet der IW-Studie zufolge zumindest gelegentlich ausserhalb des Betriebs, hauptsächlich bei Kunden. Vor allem sind dies Handwerker, Führungskräfte und Akademiker. Nur knapp 8 Prozent arbeiten mehrmals im Monat oder häufiger von zu Hause aus.

Viele Führungskräfte und Beschäftigte in akademischen Berufen

Unter den rund 20 Prozent, die häufiger ausserhalb am PC, Laptop oder Smartphone arbeiten, sind besonders viele Führungskräfte und Beschäftigte in akademischen Berufen. Im europäischen Vergleich sind die Skandinavier Spitzenreiter. In Dänemark und Schweden arbeiten mehr als drei Viertel der Beschäftigten mobil.

Für die Studie haben die Wissenschaftler Daten der Umfrage «European Working Conditions Survey 2015» ausgewertet. Dafür wurden mehr als 43'000 Erwerbstätige aus 28 Ländern der Europäischen Union, der fünf Beitrittskandidaten Montenegro, Serbien, Türkei, Albanien, Mazedonien sowie der Schweiz und Norwegen befragt.

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