Microsoft, Facebook, Amazon, Google, SAP, Apple, Uber, Airbnb: Können wir diesen Firmen vertrauen?

Nutzen und Risiken - der Schweizer Analyst Simon Perrin hat Technologiefirmen getestet. Wer schaut zu kurzfristig auf den Ertrag? Wer denkt langfristig an den Kunden, hat die Zukunft im Blick?

» Von Michael Kurzidim , 20.05.2016 17:51.

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Kunden profitieren von Dienstleistern wie Google, Facebook, Amazon, Airbnb oder Uber. Taxifahrten und Unterkünfte werden preiswerter, häufig ist der Service ganz kostenfrei. Wer hätte etwas dagegen? Unter der Hand aber lauern Risiken. Google und Facebook finanzieren sich durch Werbung, verzerren die Informationskanäle, verkaufen die persönlichen Daten ihrer Nutzer an Werbetreibende. Auch wenn Mark Zuckerberg das immer wieder abstreitet.

Google hat mittlerweile ein De-Facto-Monopol, kontrolliert 69 Prozent des globalen Suchmaschinen-Marktes. 90 Prozent der Internetnutzer verwenden die Suche und Google-Dienste wie Gmail, Videos (YouTube) und Social Media (Google+).

Welchen Unternehmen können wir vertrauen? Welche sind eher ein Risiko für Kunden, Anwender und Anleger? Diesen Fragen ist der Nachhaltigkeitsanalyst Simon Perrin von der Schweizer Vescero AG nachgegangen. Als Bewertungskriterien dienten ihm unter anderem der Schutz der Personendaten, Datensicherheit (auch der IT-Systeme), die marktbeherrschende Stellung des Unternehmens, wettbewerbsfeindliche Praktiken, umweltfreundliche Produkte und gesellschaftsfreundliche Dienstleistungen.

Die Technologiefirmen

Technologiefirmen wie IBM, Cisco, Salesforce, Intel oder SAP, die auf der digitalen Welle reiten, kommen bei Perrin gut weg. "Diese Unternehmen tragen zur Veränderung unserer Welt bei, indem sie vernetzte Umfelder schaffen, die nutzerfreundlicher, effizienter und intelligenter sind". Mobile Technologien erleichtern den Zugang zu Information, Wissen und Finanzdienstleistungen. Sensoren vom Typ 'Smart Meter' ermöglichen es, Ressourcen wie Wasser und Strom effizienter zu managen. Die Feinanalyse von Daten eröffnet in Städten die Möglichkeit, das Verkehrsmanagement und das ÖV-Angebot zu verbessern.

Demgegenüber fallen die Risiken gering aus.

Die Internet-Riesen

Wesentlich kritischer sieht Perrin Internet-Riesen wie Google, Facebook oder Amazon, die in den Medien immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Sie üben faktisch ein Monopol aus: Google dominiert den Suchmaschinenmarkt, drei Viertel alles Webnutzer hat ein Facebook-Konto, Amazon ist der Marktführer im E-Commerce.

Die technologische Kompetenz der Internet-Riesen ist unbestritten. Sie sammeln jedoch riesige Mengen an personenbezogenen Daten zu kommerziellen Zwecken. Amazon, um die Erwartungen der Kunden optimal zu bedienen und zukünftiges Käuferverhalten vorauszusagen. Google, Facebook und Twitter, um die Kampagnen ihrer Werbekunden zu optimieren.

Um neue Geschäftsfelder für die gesammelten Daten zu erschliessen, investieren Google, Amazon und Facebook Milliarden von Dollar in Startups und Forschungsprojekte .- bis zu 30 Prozent des Umsatzes. Denn das wichtigste Geschäftsmodell bleibt Werbung.

Daraus ergeben sich Risiken: Die vertraulichen Daten der Internet-Riesen ergeben ein sehr genaues Persönlichkeitsprofil ihrer Nutzer, bis hin zu intimen Geheimnissen über Gesundheit oder Sexualität. Nicht jedem gefällt das. Zudem gefährdet die Monopolstellung der Riesen den freien Wettbewerb und den freien, pluralistischen Zugang zu Informationen.

Sharing-Economy-Newcomer

Sharing-Economy-Firmen wie Uber und Airbnb, krempeln das herkömmliche Wirtschaftsmodell, das auf der Trennung von Konsument und Produzent beruht, grundlegend um. Uber besitzt keine Taxis, Airbnb keine Immobilien. Sharing-Economy-Firmen funktionieren als Makler, die Angebot und Nachfrage auf einer digitalen Plattform zusammenbringen.

Für die Kunden sei das von Vorteil, für die neuen Einzelunternehmer stelle sich jedoch dringlich die Frage nach dem sozialen Schutz und der sozialen Sicherheit, kritisiert Perrin. Das neue Sharing-Modell reorganisiert die Arbeit, erhöht die Effizienz und senkt die Kosten (Taxifahrten und Appartements werden preiswerter). Jeder kann Einzelunternehmer werden. Die neue Sharing Economy sei jedoch auch durch deutlich weniger soziale Sicherheit gekennzeichnet.

Ergebnis-Matrix: Chancen und Risiken

Technologieanbieter

Internet-Riesen

Sharing-Economy-Newbies

Firmenbeispiele

IBM, Cisco, Intel, SAP usw. 

Google, Facebook, Amazon usw.

Uber, Airbnb usw.

Geschäftsmodell

Big-Data-Technologieproduktion (Cloud Computing, Datenanalyse)

Produktion persönlicher Daten zur kommerziellen Nutzung

Auf Big-Data-Technologie-Plattformen basierende Dienste

Chancen für Wirtschaft und Gesellschaft

Bedeutend: Anwendungen bringen Vorteile für die ganze Gesellschaft (Energie, Gesundheit, Mobilität, Bildung)

Moderat: Investitionen in Forschung und Entwicklung, soziale Medien, Suchmaschinen

Moderat: Eintritt neuer Einzelunternehmer und neuer Dienstleistungen in den Markt

Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft

Gering

Hoch: Datenssicherheit und -schutz, Disruption der Wirtschaft, dominierende Marktstellung

Hoch: Datenschutz, Monopol, Disruption und Prekarisierung der Wirtschaft

Risiken für Anleger

Gering

Bedeutend: Reputations-, Rechts- und Finanzrisiken

Bedeutend: Mangelnde Transparenz, Reputations-, Rechts- und Finanzrisiken

 

 

 

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KOMMENTARE

Markus Schmid: 21-05-16 09:21

Facebook ist aufgeführt, aber Twitter fehlt.

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