Gefälschten Fotos auf der Spur

» Von Marcel Hauri , 02.06.2015 11:42.

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Manipulierte Bilder des russischen Verteidigungsministeriums?

Dass auch Staaten mit viel Know-How zuweilen an der Technik der Manipulation scheitern, zeigt ein aktuelles Beispiel. Der Abschuss des Passagierflugzeuges der Malaysian Air MH 17 über der Ukraine vor rund einem Jahr löste eine Propagandaschlacht der russischen und ukrainischen Behörden aus.

Beide Staaten bezichtigen einander, für den Abschuss verantwortlich zu sein. Die Wahrheit wird höchstwahrscheinlich nie ans Licht kommen. Nun haben sich Foto-Forensiker des Bürgerjournalistenkollektivs Bellingcat intensiv mit öffentlich zugänglichen Satellitenaufnahmen des russischen Verteidigungsministeriums auseinandergesetzt und in einem Bericht (pdf) dargelegt, dass es Unstimmigkeiten zwischen den offiziellen Verlautbarungen und den gezeigten Bildern gibt.

Dabei stützen sich die Foto-Forensiker auf eine Metadatenanalyse der JPEG-Fotos auf eine Fehlerstufe-Analyse (ELA - Error Level Analysis) und einer Referenzanalyse der Bildinhalte.

Bei der Fehlerstufenanalyse identifiziert der Algoritmus unterschiedliche Kompressionsstufen innerhalb eines Bildes. Bei einem JPEG-Bild sollte das gesamte Bild auf einem ähnlichen Fehlerniveau sein. Sieht man bei der ELA ein unterschiedliches Fehlerniveau, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine digitale Modifikation. Timmi Allen, der die Bilder des russischen Verteidingungsministeriums untersucht hat, betont jedoch gegenüber Computerworld, dass die ELA-Methode keine Beweise liefert, höchstens Indizien.

Viel aussagekräftiger in diesem Fall seien der Vergleich der Satellitenaufnahmen mit Kartenmaterial von Google Earth. Doch auch hier ist noch nicht abschliessend geklärt, wann genau die Satellitendaten von Google Earth aufgenommen wurden.

Auf Grund von Vegetationsmustern und anderen Hinweisen auf den Bildern ist es für die Autoren des Berichtes «eindeutig und zweifelsfrei», dass die gezeigten Bilder der BUK-Stellung auf einem Acker nicht zu dem Zeitpunkt aufgenommen wurden, wie vom russischen Verteidigungsministerium behauptet. Die Methoden von Bellingcat und der die daraus abgeleiteten Schlüsse wurden jedoch  von Neal Krawetz wie auch von unverdächtiger Seite angezweifelt.

 

Für die Hinterbliebenen der Opfer ist das natürlich ein kleiner Trost. Der Bericht ist jedoch ein weiterer Puzzlestein bei den Aufklärungsbemühungen eines der fatalsten Fehlschüsse der jüngeren Zeit.

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