45 Millionen Franken, weil das Seco eine Schnittstelle nicht bauen kann

Eine fehlende Schnittstelle in den Dokumentenmanagementsystemen der RAVs und der ALV soll Beamte Arbeitszeit und Steuerzahler Millionen kosten.

» Von Fabian Vogt , 30.05.2016 17:19.

weitere Artikel

Mitarbeiter der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und der Arbeitslosenkasse (ALV) können ihre tägliche Arbeit aufgrund einer fehlenden Schnittstelle nur sehr ineffizient erledigen, berichtet die «SonntagsZeitung» (Artikel online nicht verfügbar). Die beiden Behörden verfügen über unterschiedliche Computersysteme und können ihre unstruktierten Daten – für strukturierte Daten gibt es eine funktionierende Schnittstelle - wie AHV-Ausweise, Verträge oder Arztzeugnisse nicht austauschen. Laut dem Aargauer Regierungsrat kostet die fehlende Schnittstelle 11,6 Mannjahre. Demnach verschickt jeder RAV-Mitarbeiter pro Tag zehn Dokumente und drei E-Mails an die ALV, was mit einem Aufwand von 25 Minuten verbunden ist, wie der Regierungsrat in einer Untersuchung festgestellt hat. Die ALV-Mitarbeiter müssten die Dokumente dann ordnen und in ihr System einscannen, was wiederum 20 Minuten in Anspruch nehme. Hochgerechnet auf alle Kantone soll die fehlende Software 150 Vollzeitstellen kosten. Dies entspreche – konservativ geschätzt – einem jährlichen Aufwand zulasten der Arbeitslosenversicherung von 15 Millionen Franken.

Das Problem der fehlenden Schnittstelle ist seit Jahren bekannt. Das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) hatte 2013 dem Bundesrat zugesichert, bis 2014 eine Lösung realisiert zu haben. Weil bis heute nichts geschehen ist, hat Ständerat Ruedi Noser vom Bundesrat eine Antwort verlangt. Aufgrund der Korruptionsaffäre, der Reorganisation der Ausgleichsstelle inklusive Neuorganisation der Informatik sowie des Projektabbruchs Asalneu sei die Integration der Schnittstelle verschoben worden, verteidigt sich der Bundesrat. Sie soll in der zweite Hälfte 2016 gestartet werden.  Stimmen die Berechnungen des Aargauer Regierungsrats, betrügen die wegen der fehlenden Schnittstelle anfallenden Mehrkosten also 45 Millionen Franken. Im Optimalfal, falls die Schnittstelle nicht noch länger auf sich warten lässt. Ende 2017 oder 2018 soll die Schnittstelle umgesetzt sein. Falls das Nachfolgeprojekt für die Erneuerung des Auszahlungssystems der Arbeitslosenkassen reibungslos verläuft, was bisher auch nicht der Fall war.

Gegenüber der «SonntagsZeitung» machte Noser keinen Hehl daraus, von der bundesrätlichen Antwort nicht überzeugt zu sein: «Diese Argumentation ist doch eine Ausrede. Ich habe viel eher den Eindruck, im Seco wird nicht richtig priorisiert.» Wenn man mit einer einfachen Software 150 Stellen pro Jahr einsparen könnte und diese Software nicht so rasch wie möglich einführe, zeige dies, «wie gering das Effizienzdenken bei der Verwaltung tatsächlich ist».

Das Seco, das mit der fachlichen Führung des Projekts betraut ist, verweigerte der «SonntagsZeitung» eine über die Bundesrats-Antwort hinausgehende Stellungnahme.

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.