XDays 26.03.2015, 08:10 Uhr

Smartphone verändert Schweizer Wirtschaft

Am Branchentreff «XDays» war die Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft das Hauptthema. Als ein Grund für den fundamentalen Wandel gilt das Smartphone.
CCC-Sprecherin Constanze Kurz erinnerte an den XDays an Spionage durch NSA & Co.
Die rund 450 Teilnehmer der «XDays» wurden zu Beginn des Anlasses am Mittwoch in Interlaken gebeten, ihre Telefone auszuschalten. Der Grund waren aber nicht etwa die geheimen Inhalte der folgenden Präsentationen. Es war schlicht der Wunsch nach wenigen Störungen während der Vorträge. Als erster Redner trat der Technologie-Experte Chris Anderson dann allerdings mit einem Smartphone auf die Bühne. Dieses Gerät habe gleich zwei Revolutionen angezettelt, sagte er als Begründung.

Tiefe Preise, mehr Komfort

Erstens habe das Smartphone durch die mittlerweile grosse Verbreitung dafür gesorgt, dass Bauteile wie leistungsfähige Prozessor, Touchscreens, Flash-Speicher und Sensoren extrem billig geworden sind. Die tiefen Preisen würden jetzt die Schwelle senken für den Markteintritt von Wearables und Robotern. Die massenweise Verfügbarkeit von leistungsfähigen Devices stehe nun kurz bevor, erklärte Anderson. Die zweite bedeutsame Veränderung durch Smartphones habe teilweise schon stattgefunden oder stehe ebenfalls noch bevor: Die Apps auf den Telefonen hätten die Benutzeroberflächen und Funktionen erneuert. Dank der permanenten Internet-Verbindung können Daten in die Cloud ausgelagert werden. Sowie: Dank der Sensoren sind Messungen von diversen Parametern möglich – etwa GPS, Puls, Temperatur. Clever kombiniert hätten die Daten und entsprechende Anwendungen das Potenzial, auch althergebrachte Industrien umzuwälzen, war der Gründer des weltgrössten Drohnenhersteller, 3D Robotics, überzeugt.

Weniger Privatsphäre

Wie Constanze Kurz an den «XDays» erklärte, ist die zugrundliegende Technologie das grösste Risiko an der Digitalisierung. Die Sprecherin des deutschen Chaos Computer Clubs (CCC) malte ein Szenario, das heute bei aller Euphorie um neue iPhones und Smartwatches gerne ausgeblendet werde: Die mit Milliarden finanzierte staatliche Überwachung von Computern. Ihrer Meinung nach war das vorrangige Ziel der NSA-Spionage die Wirtschaft.
Nächste Seite: Wo steht die Schweiz? Als ein Indiz für die ökonomische Bedeutung von Spionage führte sie an, dass unterdessen 338 Firmen Überwachungs-Software anbieten. «Aus der Computer-Spionage ist eine eigene Industrie geworden», sagte Kurz. Diese Sparte müsse in das Bewusstsein der Allgemeinbevölkerung zurückgerufen werden. Denn mit Datenschutz und Sicherheit sei insbesondere in Europa gutes Geld zu verdienen, trug sie eine nicht ganz neue Idee vor.

Digitale Schweizer Wirtschaft

Eine ganze Reihe von Schweizer Unternehmen werben heute mit Datenschutz und dem hochsicheren Standort. Andere habe sich den Herausforderungen der Digitalisierung bereits angenommen. Die fünf Hauptsponsoren der «XDays» – Canon, EMC, Microsoft sowie neu die Schweizerische Post und Swisscom – wollten an dem Anlass mit der Wirtschaft über die Bedeutung von Informatik ins Gespräch kommen. Dafür war die Teilnehmerzahl mehr als halbiert (Vorjahr: rund 1200 Gäste) und das Top-Management als neue Zielgruppe definiert worden.
Markus Naegeli, CEO von Canon Schweiz, bezeichnete die neuen «XDays» als einen Versuch, die IT nicht rein aus der Technologieperspektive zu betrachten, sondern den Geschäftsnutzen zu betonen. «Informatiker sind heute für die Wirtschaft nur Exoten», sagte Jacques Boschung, Vice President Europe West von EMC, der Computerworld. Sein Vorschlag lautete: «Das Verschmelzen von «Swiss Economic Forum» und «XDays» würde der Bedeutung der Digitalisierung für die Wirtschaft Rechnung tragen.» Der neue Veranstalter der «XDays», NZZ Konferenzen & Services, zeichnet auch für das «Swiss Economic Forum» verantwortlich.



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