Wenn der Bürger dem eHealth voraus ist

Das Gesetz zum elektronischen Patientendossier wird in den Gremien beraten. Schweizer Bürger warten bei der Gesundheitsvorsorge via Computer nicht auf die Vorschriften.

» Von Mark Schröder , 06.03.2015 10:49.

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Patienten mit akuten Erkrankungen scheren sich auf der Suche nach Heilung nicht um Datenschutz und gesetzliche Vorschriften. «Personen schicken ihrem Hausarzt Fotos einer Wunde aus den Ferien per MMS oder fragen per E-Mail nach der korrekten Reihenfolge der Tabletteneinnahme», gab Philip Baumann, CEO des Informatik-Anbieters BlueCare, Beispiele für selbständige Bürger. Er sprach am Donnerstag am «Swiss eHealth Forum» in Bern über die Vernetzung der Akteure im Schweizer Gesundheitswesen. Baumann wusste zwar, dass heute erst wenige Patienten den direkten Draht zum Hausarzt nutzen. Aber die Anzahl wird zukünftig grösser und der Druck auf die Leistungserbringer stärker werden, meinte er. Bis anhin haben quasi jedes Labor, jede Praxis, jedes Spital eine Insellösung aufbauen können. In Zukunft erwarteten die vernetzten Bürger eine mit dem Privatleben vergleichbare technische Ausstattung auch vom Arzt und Apotheker.

Geschäftskritisches Fax

Technisch hochgerüstet ist eher eine Minderheit der Arztpraxen. Die Gründe sind vielfältig, wusste Baumann. Defizite gebe es hauptsächlich bei der Kommunikation mit den anderen Leistungserbringern. Beispielsweise erhalte eine mittelgrosse Gruppenpraxis mit sieben Ärzten täglich 100 Rückmeldungen, davon 60 Prozent via Fax, 30 Prozent per E-Mail und den Rest per Brief. Diese Informationen müssten kanalisiert und verarbeitet werden. «Wer den Medizinern das Fax ausreden will, wird garantiert scheitern», sagte Baumann. Also benötige eine Informatiklösung zwingend Schnittstellen zu den traditionellen Kommunikationsmitteln. Neben dem Austausch mit anderen Leistungserbringern ist nach den Worten des BlueCare-CEOs auch der interne Datenabgleich problematisch. So gäbe es in der Schweiz rund 80 Anbieter von Praxen-Software. Die Qualität ist offenbar nicht über jeden Zweifel erhaben. «Heute gibt es auf dem Markt nur wenige Lösungen, die den Ärzten die Arbeit wirklich erleichtern», polterte Baumann.

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KOMMENTARE

vroni kander: 06-03-15 12:52

Der spricht nicht für alle.
Ich kenne einige denen ist eHealth zu gefährlich. Darunter auch ich. Die Chipkarten der Krankenkasse habe ich denen wieder zurückgeschickt, da sie ja Eigentum der Krankenkasse ist. Niemand kann behaupten dass die elektronischen Daten sicher sind. Sie sind es nicht. Der Missbrauch ist vorprogrammiert.

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