Technologie wandelt Schweizer Versicherer

» Von Mark Schröder , 25.10.2017 18:43.

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Bis anhin bestand der Versicherungsverkauf hauptsächlich aus einem Gespräch zwischen dem potenziellen Kunden und dem Agenten. Anschliessend füllte der Agent Formulare aus, um dem Kunden eine Offerte zu unterbreiten. Spixii-Mitgründer Renaud Million führte an der «InsurTech» vor, wie ein Chat-Bot den Agenten bei den Vertragsverhandlungen unterstützen oder den Kunden bei der Schadensmeldung behilflich sein kann. Der Spixii-Bot macht den beiden Anwendergruppen die Interaktion maximal einfach: Die Fragen stellt er im Klartext, für die Antwort werden mehrere Optionen vorgegeben, so dass der User lediglich einen Knopf drücken muss. Eine Texteingabe ist nicht erforderlich.

Verglichen mit anderen Kundenkanälen sind Chat-Bots wirtschaftlicher, sagte Million. Ein Online-Formular sei zwar kostengünstig, habe allerdings auch eine geringe Erfolgsquote. Die Call Center seien bei hoher Erfolgsquote hingegen sehr kostenintensiv. Dagegen lassen sich Chat-Bots kostengünstig realisieren, besässen aber nur eine leicht tiefere Erfolgsquote als Call Center.

Auto schlägt Police vor

Auf der Basis von heute schon vorhandener Technologie entwickelt das Zolliker Start-up Spearhead zusammen mit Accenture eine Lösung für Autoversicherungen. Die Telematik-Systeme von modernen Autos zeichnen tausende Messwerte des Fahrverhaltens auf. Diese Daten lassen sich für die Flexibilisierung der Versicherungsprämie nutzen. Und auch für eine automatische Schadensmeldung, sagte Spearhead-Mitgründer Cees van Dijk an der Konferenz. Das Auto könnte den Schaden selbständig analysieren, unter Berücksichtigung des persönlichen Terminkalenders und der Bewertung des Garagisten eine Reparatur vereinbaren und den Lenker zum richtigen Zeitpunkt erinnern.

Einen zweiten Anwendungsfall skizzierte Werner Rapberger, Principal Director von Accenture: Ein Neuwagen wird mit einer zunächst kostenlosen Versicherung ausgeliefert, die in den ersten zwei Monaten das Fahrverhalten analysiert und anschliessend die adäquate Prämie vorschlägt. Anhand von Parametern wie Geschwindigkeitsüberschreitungen, gefahrene Kilometer, typische Route oder Anzahl der Vollbremsungen könnte der Preis ermittelt werden. Ein regelkonformes Fahrverhalten würde durch eine Prämienreduktion belohnt, sagte Rapberger.

Der Konferenz-Mitveranstalter Rino Borini gab sich im Gespräch mit Computerworld erfreut über die Entwicklungen im Schweizer InsureTech-Markt. Die circa 160 Teilnehmer hätten die Kapazität des Veranstaltungsortes – das Zürcher Kosmos-Kino – voll ausgeschöpft. Im Vergleich mit dem Vorjahresanlass seien die Gäste ausserdem viel entspannter gewesen. Diesmal wurden kaum noch Krawattenträger im Publikum gesichtet. Im letzten Jahr trug noch fast jeder Dritte einen Binder.

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