Reparaturanleitung für die digitale Zukunft

» Von Mark Schröder , 14.09.2017 17:48.

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Die Herausforderungen durch die Digitalisierung sind laut Keen zwar neuartig, aber durchaus mit den Auswirkungen der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert vergleichbar. Auch damals hätten die Menschen die Probleme gelöst, indem zum Beispiel durch Gesetze die Arbeitnehmer geschützt wurden und die Betriebe auf die veränderten Bedürfnisse reagiert hätten.

Für die heutige digitale Welt und die Zukunft machte Keen fünf Reparaturvorschläge:

  1. Gesetzliche und staatliche Regulation: Beispielsweise sollten die Internet-Unternehmen Facebook und Google als Medienkonzerne behandelt werden. Das würde die Datensammelwut und den Überwachungsdrang eindämmen. Dabei kommt insbesondere Europa mit seinen strengen Datenschutzvorschriften die wichtige Rolle als Regulator zu.
  2. Kompetitive Innovation: Die Konsumenten sollten besser für Produkte zahlen anstatt sich selbst (mit ihren Daten) zum Produkt zu machen, für das die Werbetreibenden zahlen. Jedoch wird aktuell viel Innovation vernichtet, weil Milliardenkonzerne durch Übernahmen das Entstehen neuer Ideen im Keim ersticken. Hier müssten die Konsumenten und auch Firmen selbst aktiv werden.
  3. Soziale Verantwortlichkeit: Die Initiative jedes Einzelnen und der verantwortungsbewusste Umgang mit Technologie muss gefördert werden. Keen sah hier die Regierungen und auch Unternehmen in der Pflicht. 
  4. Kunden die Wahl lassen: Die Forderung nach mehr Sicherheit hat die europäische (deutsche) Autobranche im letzten Jahrhundert zur weltweit führenden Industrie gemacht. Die Nachfrage nach gesünderem Essen hat Bio-Lebensmittel befördert. Die Wahlfreiheit wird auch im digitalen Zeitalter über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
  5. Bildung: Um den kritischen Umgang mit den Medien und Technologien zu lernen, sind neue Konzepte für Schulen und Universitäten erforderlich. Als gute Ansätze beurteilte Keen die alternativen Lehrmethoden an den Montessori- und Waldorfschulen. 

Die Schweiz sei in allen Bereichen bereits auf einem guten Weg, lobte er. Die Sonderrollen bei Gesetzgebung und Regierung, strenge Regulation und viel Datenschutz sowie das gute Bildungssystem sind nach den Worten Keens eine gute Ausgangsposition. Allerdings müsse auch die Schweiz den Weg weiter gehen, um die Digitalisierung in Griff zu bekommen.

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