Ideen für das digitale Schweizer Banking

Schweizer Banken kommen Kunden mobil und online heute entgegen. Echte Innovationen fehlen aber. Ideen sind in der Branche und jenseits davon durchaus vorhanden.

» Von Mark Schröder , 18.11.2014 15:18.

weitere Artikel

Im Retail Banking setzen Schweizer Finanzdienstleister vermehrt auf neue Kanäle und Geschäftsmodelle. Dabei sind traditionelle Bankhäuser genau so aktiv wie Start-ups. An einem Anlass des Software-Anbieters ti&m diskutierten der Finanzmarktexperte Professor Andreas Dietrich und Experten aus der Bankenbranche wie Patrik Gisel von Raiffeisen über die Notwendigkeit von Innovation auf dem Finanzplatz Schweiz.

Schweizer Banken vorwiegend im reaktiven Modus

Professor Dietrich, Leiter Competence Center Financial Services an der Hochschule Luzern, hielt den Bankern vor, dass sich hiesige Finanzinstitute hauptsächlich im reaktiven Modus befänden. In dem vom Verbraucher dominierten Retail Banking seien die Anbieter mit Projekte zur Kostensenkung, dem operativen Tagesgeschäft und der Regulierung beschäftigt. Gleichzeitig würden die Kunden stark auf Computertechnologie setzen, das Smartphone, Social Media sowie das Web intensiv nutzen. Hinter der Digitalisierung des Alltagslebens hinken die Geldinstitute mehrheitlich hinterher. Vereinzelt gäbe es zwar Projekte, sie hätten aber in den Bankhäusern keine hohe Priorität.

Professor Dietrich berichtete, dass im neuen Jahr mehrere neue Angebote lanciert werden sollen. Ein Bankhaus plane im ersten Quartal 2015 beispielsweise eine Crowdfunding-Plattform für KMU, ein anderes Institut will seine Kunden per Chat über Finanzprodukte beraten. Die Glarner Kantonalbank hat sich die Domain Investomat.ch gesichert, auf der voraussichtlich eine elektronische Anlageberatung gestartet werden soll. Die Glarner sind schon heute im Web recht aktiv: Auf Onlineportalen werden Hypotheken (Hypomat.ch), Sparkonten (Kontomat.ch) und Versicherungen (Risikomat.ch) feilgeboten. Ebenfalls schon präsent ist die UBS mit dem mobilen Kreditkartenleser SumUp: Damit können Unternehmer ihren Kunden die Kartenzahlung anbieten, ohne ein Terminal installieren zu müssen. Dietrich ermutige die Vertreter von anderen Banken, sich ebenfalls mit Unternehmen wie SumUp zusammenzutun. Anderenfalls drohe ihnen, dass Start-ups die besten Geschäftsmodelle vor der Nase wegschnappten.

Die Start-ups stehen auch in der Schweiz parat, wusste Dietrich. Der Trading-Dienst Ayondo, die Finanzierungsplattform Crowdinvest sowie die Investmentportale MoneyVane und True Wealth seien entweder online oder kurz vor dem Markteintritt. Sie lockten die Kunden mit gewinnträchtigen Geschäftsmodellen und tiefen Gebühren. Damit könnten sie zum Wettbewerber für die traditionellen Finanzdienstleister – zumindest im Retail – werden.

Nächste Seite: Raiffeisen gegen Amazon

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.