23.02.2017, 10:13 Uhr

Drohnen erleichtern Schweizer Bauern die Arbeit auf dem Feld

Digitalisierung und Automatisierung halten auch in der Landwirtschaft Einzug: Sensoren liefern laufend Messwerte, damit Pflanzen präzise gepflegt werden können, Drohnen helfen beim Retten von Rehkitzen und erleichtern mühsame Arbeitsschritte in der Schädlingsbekämpfung.
Unbemannte Flugobjekte haben auch in der Landwirtschaft ein grosses Potential. Mithilfe von Multikoptern lassen sich etwa Luftaufnahmen machen oder Dünge- und Pflanzenschutzmittel ausbringen. Immer mehr Schweizer Bauern setzen deshalb Drohnen zur Unterstützung auf dem Feld ein. An der internationalen Fachmesse Tier&Technik, die vom 23. bis 26. Februar in St. Gallen stattfindet, ist daher eine Sonderschau zum Thema «Drohnen in der Landwirtschaft» zu sehen. In der hiesigen Landwirtschaft wurden Drohnen vorerst zur Rettung von Rehkitzen eingesetzt. Forscher der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) entwickelten ein System, mit dem Landwirte Rehkitze aus der Luft entdecken und diese vor dem Mähen in Sicherheit bringen konnten. Gemeinsam mit der HAFL testete die bäuerliche Genossenschaft Fenaco nun weitere Anwendungsgebiete von Drohnen, schreiben die Organisatoren der internationalen Fachmesse Tier&Technik in einem Fachbeitrag.  
Bei der Bekämpfung des Maiszünslers, dessen Ausbreitung mit Trichogramma-Schlupfwespen verhindert wird, nehmen Drohnen den Bauern mühsame Arbeit ab. «Früher mussten die Landwirte durch die Maisfelder gehen und die Schlupfwespen-Eier von Hand auf die Pflanzen verteilen», sagt Regina Burger, Leiterin des Bereichs Nützlinge bei UFA-Samen, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Heute können Landwirte die GPS-Daten ihrer Parzellen bei der nächsten Landi oder UFA-Samen anmelden. Die Multikopter-Piloten speisen die Daten in das System ein, holen Aufstiegsbewilligungen ein und legen ihre Routen fest. Im Juni werfen die Drohnen Kugeln aus biologisch abbaubarer Maisstärke ab, die mit Schlupfwespen-Eiern gefüllt sind. Es gibt aber auch Einschränkungen, was den Einsatz von Drohnen anbelangt: Obwohl sie das Verteilen von Schlupfwespen-Eiern komplett übernehmen könnten, gehe gleichzeitig die Beobachtung der Pflanzen auf Krankheiten und Unkraut verloren, erklärt Landwirt Tobias Kraft aus Frauenfeld. Zudem ist der Einsatz von Drohnen nicht überall gestattet. «Von Flughäfen müssen Drohnen einen Abstand von fünf Kilometern einhalten, in der Nähe von militärischen oder polizeilichen Einrichtungen ist das Fliegen verboten», erklärt Ueli Sager, Präsident des Schweizerischen Verbandes ziviler Drohnen. Nächste Seite: Drohnen-Helfer bald subventioniert?

Drohnen-Helfer bald subventioniert?

Seit 2012 werden in der Schweiz Felder auf diese Weise biologisch behandelt, unterdessen können auch Bauern in Deutschland die Arbeit an Schweizer Drohnen abgeben. «Auf einer Fläche von 10'000 Hektaren bringen wir in der Schweiz und Deutschland zurzeit Schlupfwespen mit Drohnen aus», sagt Burger. Für das Verteilen der Kugeln auf einer Hektare benötigen die Multikopter zwischen zwei und drei Minuten. Akku und Vorrat eines Fluges reichen für rund 10 Hektaren. Die Kosten für eine Schädlingsbekämpfung aus der Luft belaufen sich bei einer zweimaligen Anwendung auf 150 bis 170 Franken pro Hektare. In verschiedenen deutschen Bundesländern werde der Abwurf von Schlupfwespen mit Multikoptern aus dem Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) mit Beiträgen unterstützt. In den nächsten zwei Jahren könnten auch Bauern aus dem Kanton Bern dank Fördergeldern zur Steigerung der Energieeffizienz profitieren, sagt Burger. Für das Ausbringen der Schlupfwespen mithilfe von Drohnen erhalten Berner Landwirte pro Hektare 150 Franken.  
Regina Burger hofft, dass bald auch andere Schädlinge mit Multikoptern bekämpft werden können. «Die Anwendung eignet sich vor allem für ertragsreiche Flächen», sagt sie. Anstatt auf ein ganzes Feld Pflanzenschutzmittel auszubringen, könnten bestimmte Bereiche eines Feldes spezifisch behandelt werden. Auf diese Weise könnten wertvolle Ressourcen wie Wasser, Zeit und Geld eingespart und Erträge erhöht werden. Auf Weingütern bringen Drohnen versuchsweise Fungizide aus. «Hier sind ihnen aber Grenzen gesetzt», sagt Burger. Die Multikopter können nur bis zu 10 Liter Spritzbrühe tragen, zudem gelangt das Mittel nicht zu allen Blättern der Reben. Deshalb seien noch Optimierungen nötig. Dafür falle die Belastung der Böden durch das Gewicht der Traktoren weg, die Arbeiter seien nicht dem Spritzmittelnebel ausgesetzt, auch könnten die Fungizide effizienter verteilt werden.

Fortschrittliche Landwirtschaft

Die Landwirte setzen immer mehr auf innovative Technologien, zusammengefasst unter dem Begriff «Precision Farming». Dabei gehe es längst nicht mehr nur um die Erstellung von Bildern, schreiben die Verantwortlichen der 17. internationalen Fachmesse Tier&Technik. Mit Sprühgeräten und Abwurfeinrichtungen könnten Feldarbeiten automatisiert werden. Sensoren ermöglichen die Aufnahme diverser Messwerte. In naher Zukunft soll abgeleitet werden können, ob und mit welchen Nährstoffen gedüngt wird und welches Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen soll. «Wir sind daran, neue Technologien zu entwickeln, die es uns erlauben, Geschmacksstoffe an der stehenden Pflanze zu messen», sagt Peter Fröhlich der AgriCircle AG. So könnte künftig etwa der Geschmack von Tomaten oder Trauben auf die Vorlieben der Konsumenten abgestimmt werden.



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