Digitalisierung bei Sanitas und ZKB

Die Schweizer Finanzwirtschaft sucht und findet Wege hin zum vernetzten Kunden. Sanitas und ZKB definieren für ihre Geschäfte die Art der Digitalisierung.

» Von Mark Schröder , 19.03.2015 13:16.

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Schweizer Banken und Versicherungen lebten in der Vergangenheit gut mit althergebrachten Geschäftsmodellen. Unterdessen wandelt sich die Kundschaft: Überweisungen werden am Smartphone erledigt, Versicherungspolicen am Tablet gemanaged. Der Besuch in der Filiale ist nur noch selten erforderlich. Damit schwinden auch die Chancen für die Finanzkonzerne, neue Produkte vor Ort zu offerieren. Die Krankenversicherung Sanitas sowie die Zürcher Kantonalbank (ZKB) registrieren die Notwendigkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen an die neue Situation anzupassen. Emanuele Diquattro von Sanitas und Daniel Heinzmann von der ZKB gaben an einem Medienanlass zum «Swiss Information Management Forum» erste Einblicke in die Digitalisierungspläne ihrer Unternehmen.

Wearables liefern Gesundheitsdaten

Sanitas-CIO Diquattro betonte den Unterschied zwischen der operativen und der strategischen Digitalisierung: Bestehende Produkte sowie Dienste als App anzubieten und über den elektronischen Kanal zu vertreiben bezeichnete er als operative Digitalisierung. Die strategische Digitalisierung sei umfassender, da sie die Arbeitspraxis der Versicherung selbst betreffe und neue Produkte mit sich bringe, die ohne den elektronischen Kanal nicht möglich wären.

Laut den Plänen der Sanitas spielen bei künftigen Produkten die Analytik für Gesundheitsdaten, die Mobilität der Versicherten und Wearables eine Rolle. Indem auch die Prävention und die Nachbehandlung von Erkrankungen in die Zusatzversicherungen einbezogen werden, liessen sich neue Policen-Modelle schaffen. Dabei entscheide aber immer der Kunde über die Bereitstellung seiner Daten, versicherte Diquattro. Wer freigiebiger sei mit seinen Messwerten, könne auch mit besseren Konditionen rechnen.

ZKB sucht Start-ups

Für Daniel Heinzmann, Leiter IT-Strategie bei der ZKB, gibt es nur ein Ziel: In Zukunft sämtliche Bankdienstleistungen auch digital anzubieten, jederzeit und in Echtzeit. «Der Kunde entscheidet, wann und wie er unsere Services nutzt, digital, mobil, online oder im direkten Gespräch mit dem Bankberater», skizzierte Heinzmann die Strategie der ZKB. Er gestand aber, dass die Bank von der Zielerreichung noch ein Stück entfernt sei. In der Umsetzung wolle die ZKB künftig vermehrt auf Partnerschaften setzen. Beispielsweise werde die Abwicklung von Finanztransaktionen an Swisscom ausgelagert.

Die ZKB ist nach den Worten Heinzmanns offen für weitere Partnerschaften. Heute investiere die Bank jährlich bis zu 15 Millionen Franken in Start-ups, neu auch in Fintech-Anbieter. «Damit sind wir am Puls der Entwicklung neuer Technologien im Finanzbereich», war Heinzmann überzeugt. Für ihn stand ausser Zweifel, dass der Standort Schweiz und die hiesige Finanzbranche auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen werde, denn man besitze ein Alleinstellungsmerkmal: «Die Schweiz wird kein Silicon Valley. Aber das Silicon Valley ist im Gegensatz zur Schweiz nicht bekannt für Sicherheit», erklärte Heinzmann. Die Sicherheit werde in Zukunft immer wichtiger, da sich mit zunehmender Vernetzung auch die Risiken multiplizierten.

Digitalisierung in der Praxis

Heinzmann und Sanitas-CIO Diquattro versprachen, am «Swiss Information Management Forum» am 12. Mai 2015 in Oerlikon weitere Einblicke in die Digitalisierungsstrategien ihrer Unternehmen zu geben. An dem Forum werden ausserdem Dutzende weitere Firmen-Strategen ihre Pläne erläutern. Teilnehmer haben auch die Option, mithilfe des «Digital Maturity Checks» der Universität St. Gallen und der Strategieberatungsfirma Crosswalk zu prüfen, wie weit die Digitalisierung ihres eigenen Geschäfts fortgeschritten ist.

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