CIO-Roundtable 05.12.2014, 08:57 Uhr

Herausforderungen der digitalen Transformation

Auf Einladung von Computerworld und T-Systems diskutierten Schweizer CIOs über aktuelle Herausforderungen der digitalen Transformation.
Auf die IT-Organisationen in Schweizer Unternehmen kommen fundamentale Veränderungen zu. Denn die Digitalisierung der Welt verändert nahezu alle Unternehmensprozesse: von der Produktion über die Kundenansprache bis zum Vertrieb. Die IT spielt hier die Schlüsselrolle, denn nur mit ihrer Hilfe kann das Business innovativ sein. Die Anforderungen an die IT-Leiter sind vielfältig und zielen meist nur in eine Richtung: Digitalisierung. Ob Kunden-Feedbacks, Unternehmensprozesse, Dokumentenmanagement, interne Kommunikation oder Social Marketing – alles muss digital verarbeitet werden. Das Change-Management wird daher immer wichtiger, die IT-Abteilungen sind gefordert.
Computerworld hat – zusammen mit T-Systems – CIOs und IT-Verantwortliche zum offenen Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen eingeladen. Marcus Bott, Head of Consulting and Solution Sales von T-Systems Schweiz, meinte in seiner Einleitung, in der Geschichte der Menschheit hätten immer dann bedeutende Weiterentwicklungen oder gar Revolutionen stattgefunden, wenn die Menge der verfügbaren Informationen sprunghaft angestiegen sei.  Gegenwärtig geschieht dies an vielen Orten gleichzeitig: Als Beispiele nannte Bott Molekularscanner, welche die chemische Zusammensetzung von Lebensmitteln ermitteln, Wereables oder die Wirkung, die Onlinepetitionen von Einzelpersonen bewirken können. Data Analytics, so die Prognose, könnte rein durch eine Steigerung der Effizienz 60 Prozent mehr Lebensmittel hervorbringen.
###BILD_48686_fullwidth###
Die IT ist nicht länger nur ein Instrument, um Kosten zu sparen, sondern dient vermehrt dazu, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und damit den Umsatz zu steigern. Allerdings gibt es grosse Unterschiede darin, wie stark ein Unternehmen die digitale Transformation vorantreiben kann und will. Emanuele Di Quattro, CIO der Krankenversicherung Sanitas, erklärte, dass die Schaffung neuer digitaler Produkte ein Teil seiner Aufgabe sei: Die IT-Abteilung als Forschungslabor, welches zukünftige Geschäftsmodelle erarbeitet. Dies, um auf einen langen Zeithorizont konkurrenzfähig zu bleiben: «Wenn wir uns nur im Business entwickeln, sind wir irgendwann out of Business».  Für Florian Büchting, von Weidmann Infra AG, lauert die Gefahr für sein Unternehmen am entgegengesetzten Ort: «Eine zu riskante Strategie kann das Unternehmen kaputt machen». Das sei  auch branchenabhängig: Im Gegensatz zum Dienstleistungssektor sind in der Industrie häufig teure Maschinen im Einsatz, die amortisiert werden müssen.
###BILD_48688_fullwidth### An den Verheissungen von Big Data schien in der Runde niemand zu zweifeln. Trotzdem: Die Zukunft bleibt unvorhersehbar. Was, wenn  in zehn Jahren die Bedingungen völlig anders sind? Das beste Mittel, um sich gegen Fehleinschätzungen zu wappnen, sei die Schaffung von Flexibilität auf allen möglichen Ebenen, meinte Di Quattro. So könne man auf neue Situationen schnell reagieren – eine Art Meta-Strategie. Und auch wenn die Prognosen dann nicht eintreffen, habe man die Transformation zum eigenen Vorteil vorangetrieben.
Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer darin, dass nicht der Umgang mit neuen Technologien die grosse Herausforderung darstellt, sondern die Akzeptanz der Kunden und auch der Leute im eigenen Unternehmen. «Digitalisierung wird gebilligt, wenn sie praktisch & bequem ist», meinte Andreas Bossecker, CTIO der NZZ-Mediengruppe. Es braucht aber auch Vertrauen: Kunden müssen bereit sein, ihre Daten zur Verfügung zu stellen  – gerade im Krankenversicherungsgeschäft keine Selbstverständlichkeit. Laut Jean-Claude Nüsperli, IT-Leiter der Bildungsdirektion Zürich, führt Angst vor dem gläsernen Bürger zu Forderungen nach einer starken Regulierung. «Der Kanton darf jetzt ein zentrales Personenregister führen – das erleichtert uns vieles», erklärte er. Die Frage war hier also nicht, ob man es kann, sondern ob man es darf.
Wie schafft man Vertrauen? Natürlich helfen Transparenz und faire Datenschutzbestimmungen, aber Vertrauen kommt auch durch die Zeit. Di Quattro ist überzeugt, dass es die heutigen Datenschutzdiskussionen in 30 Jahren nicht mehr gibt. Schon heute habe kein Smartphone-Benutzer mehr die Kontrolle darüber, wo er welche Daten hinterlässt. Dieser Umstand könnte in Zukunft völlig normal und selbstverständlich werden.
###BILD_48689_fullwidth###
Am Ende kam die Runde auf das Thema Globalisierung zu sprechen. Digitale Daten kennen keine Landesgrenzen, wodurch die Gesetzgebung teilweise ausgehebelt werden könnte.
Eric Dubuis, IT-Leiter der Comet AG, erklärte, dass sein Unternehmen versuche, kritische Produkte und Prozesse in der Schweiz zu halten, damit die dafür notwendigen Informationen besser geschützt sind. Auch im globalisierten und digitalisierten Business würde der persönliche Kontakt weiterhin unentbehrlich sein, sagte Nüsperli und erntete allgemeine Zustimmung. Von daher dürfte es nicht das letzte Roundtable dieser Art gewesen sein.
###HTML_21###



Das könnte Sie auch interessieren