CA: wenn Start-ups neue Software entwickeln

Der Software-Anbieter CA hat sich in den letzten Jahren in ein Entwicklungshaus verwandelt. Heute liefern interne Start-ups Anregungen für neue Software-Lösungen. Das könnte ein Vorbild sein.

» Von Mark Schröder , 18.11.2016 15:25.

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Anstatt hunderte Spezialisten mit der Weiterentwicklung von Produkten zu beschäftigen, fördert der Software-Anbieter CA Technologies das Gründen unternehmensinterner Start-ups. Die Teams agieren wie richtige Einzelunternehmen und entwickeln ihre Gründungsidee gemeinsam mit echten Kunden bis zur Marktreife, sagte CA-Cheftechnologe Otto Berkes während einer Präsentation an der «CA World» in Las Vegas.

Das Unternehmen CA beschäftigt nach eigenen Angaben 11'600 Angestellte, davon sind circa 5100 Entwickler. Von den insgesamt 4,0 Milliarden US-Dollar Umsatz im Finanzjahr 2016 (Jahresabschluss Ende März) fliessen rund 1 Milliarde US-Dollar in die Entwicklung und den Support von Software. Einen Teil dieses Budgets haben CEO Mike Gregoire und CTO Berkes seit Anfang Jahr für ein internes Accelerator-Programm reserviert. Aus dem Programm seien schon jetzt diverse Funktionserweiterungen und Produktideen hervorgegangen, sagte Berkes. Wirkliche Ausgründungen stünden allerdings nicht an, versicherte er.

Waffle.io, Forty2.io, Yipee.io

Eines der erfolgreichsten Projekte ist Waffle.io: Die hundertprozentige CA-Tochtergesellschaft tritt unter einem eigenen Namen auf, besitzt ein eigenes Management und auch eigene Kunden. CEO Andrew Homeyer beziffert die Anzahl der registrierten Nutzer mit rund 12'000. Die meisten User seien Entwickler, sagte Homeyer an der «CA World». Für diese Zielgruppe ist die schlanke und hoch automatisierbare Projektmanagement-Lösung auch konzipiert worden. Der Gründer weiss aber auch von Marketingabteilungen, die ihre Projekt mit Waffle.io abbildeten.

Aktuell noch weniger Zuspruch hat das Projekt Forty2.io: Die Lösung analysiert grosse Mengen an Protokolldaten aus der Infrastruktur. Dabei kommen nach Angaben der Entwickler Algorithmen für die Mustererkennung zum Einsatz, um ungewöhnliche Aktivitäten in den Server- und Speichersystemen nahezu in Echtzeit zu identifizieren.

Der Containern-Verwaltung Yipee.io gibt CA eine grosse Zukunft. Die Software erlaubt das Designen, Modellieren und Orchestrieren von Microservice-Applikationen. Damit soll den Administratoren die Planung erleichtert werden, wenn sie Docker-Infrastrukturen neu aufsetzen oder für neue Business-Anforderungen rekonfigurieren müssen.

Internes Start-up liefert Innovation

Bereits im CA-Portfolio angekommen ist ein weiteres Projekt aus dem Accelerator: Die Lösung Jarvis lieferte einige Bausteine für das neue App Experience Analytics und das Threat Analytics for Privileged Access Manager. In beiden Tools hilft die selbst entwickelte Analytik-Engine beim Automatisieren von Prozessen. Wie Ayman Sayed, Chief Product Officer von CA, sagte, könnten auch die übrigen Anwendungen neue Features bestehender Produkte werden. Waffle.io würde beispielsweise in das PPM-Portfolio (Project and Portfolio Management) passen. Über die Zukunft der einzelnen Projekte sei jedoch noch nicht endgültig entschieden worden, schloss Sayed an.

Vollkommen eigenständig sind die internen Start-ups allerdings nicht, sagte CAs Vice President of Strategy, George Watt, der Computerworld. Die Gründer bleiben Angestellte von CA, ihr Tagesgeschäft werde auf andere Schultern verteilt und ihr normales Gehalt inklusive aller Boni weiter gezahlt. Nach dem Ende eines Projekts ist vorgesehen, dass sie in ihre jeweiligen Abteilungen zurückkehrten – oder in einem neuen Bereich, der zu ihrer Gründungsidee passt, angestellt werden. 

Bei CAs Accelerator-Programm könnte das F10-Projekt des Zürcher Finanzdienstleisters Six Pate gestanden haben. Das Modell der US-Amerikaner trägt allerdings schon nach nicht einmal einem Jahr Früchte. Über konkrete Ergebnisse oder Lösungen aus dem F10 gibt es dagegen keine Informationen. Nun könnten sich Six und auch andere Schweizer Firmen den Accelerator von CA zum Vorbild nehmen, um unternehmensintern Innovation zu treiben.

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