WAN-Beschleunigung in Krankenhäusern

Die Netzwerke von vier Unternehmen zu verschmelzen, ist an sich schon eine

Herkulesaufgabe. Wenn es sich dabei um Krankenhäuser handelt, müssen die Daten besonders schnell durchs WAN flitzen.

    

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» Von Martin Walzer, 23.06.2009 10:06. Letztes Update, 23.06.2009 10:32.

Martin Walzer ist Technical Manager DACH und Osteuropa beim Spezialisten für Application Delivery Networks (ADN) Blue Coat Systems

Der Startschuss fiel schon vor vier Jahren: Am 1. Oktober 2005 schlossen sich mehrere deutsche Klinken zur Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge gGmbH (KHWE) zusammen. Der neue Verbund aus vier Krankenhäusern und fünf Seniorenhäusern mit insgesamt 2000 Mitarbeitern, 875 Krankenhausbetten und 386 Pflegeplätzen stellte die IT vor eine riesige Herausforderung, die das IT-Team einige Jahre auf Trab hielt: Vier separate Netzwerke und Rechenzentren sollten zu einer zentral administrierten IT-Infrastruktur zusammengefasst werden.

Die Einführung eines einheitlichen Krankenhausinformationssystems (KIS), das den Mitarbeitern vor Ort Funktionen von der Patientenaufnahme über die Diagnose und medizinische Dokumentation bis zur Abrechnung zur Verfügung stellt, war dabei nur ein erster, wenn auch wichtiger Schritt. «Wir stellen unser KIS heute den Krankenhäusern über Terminalserver in der Zentrale in Brakel zur Verfügung, was konsequent gelebte Zentralisierung der IT ist», erklärt Thorsten Krian, seit Mai 2007 IT-Leiter bei der KHWE. «Da aber an unseren vier Krankenhausstandorten jeden Tag vor Ort eine grosse Menge an neuen Daten anfallen, war der Zentralisierungsgedanke hier nicht so leicht zu leben.»

Konsolidierung mit Hindernissen

Gemeinsam mit dem Düsseldorfer Systemintegrator und RZ-Dienstleister Lean entwickelte die KHWE zunächst ein Konzept, bei dem ein zentraler Fileserver im Rechenzentrum die Daten aller Krankenhäuser speichern sollte. Da es jedoch nicht möglich ist, alle Anwendungen eines Krankenhauses wie etwa Röntgen oder Computertomografie über Terminalserver zu betreiben, müssen viele Daten auch weiterhin lokal vorgehalten werden. «Aktuell haben wir WAN-Verbindungen zwischen 2 und 16 Mbit/s zwischen den Standorten und der Zentrale. Diese können wir zwar noch etwas ausbauen, aber wir müssen auf absehbare Zeit in diesen Bandbreitenregionen leben», erläutert der IT-Leiter.

Zentral oder dezentral?

St. Ansgar in Höxter ist Teil des Krankenhausverbunds KHWE
St. Ansgar in Höxter ist Teil des Krankenhausverbunds KHWE
Eine diskutierte Lösungsalternative war ein verteiltes Dateisystem (Distributed File System - DFS), bei dem sich Verzeichnisse auf unterschiedlichen Datenspeichern befinden, den Benutzern dennoch als geschlossene Struktur erscheinen und die regelmässig in die Zentrale repliziert werden. Dabei ist jedoch nicht sichergestellt, ob lokale Benutzer auf das eigentliche Zielverzeichnis oder ein möglicherweise noch nicht aktuelles Replikat zugreifen. Daher hatte die KHWE diese Variante schnell wieder verworfen.
Als Mittelweg zwischen DFS und komplett verteilter Datenhaltung empfahl der IT-Dienstleister Lean der KHWE schliesslich die WAFS-Lösung (Wide Area File System) Tapestry von Tacit, die nach der Übernahme von Tacit unter dem Namen iShared von Packeteer vertrieben wurde. Eine Testinstallation Anfang 2008 schien auch die gewünschten Funktionen zu bieten. Als jedoch im April 2008 der amerikanische Anbieter von Lösungen für WAN Application Delivery Blue Coat das Unternehmen Packeteer übernahm, wurden die Karten für die KHWE wieder neu gemischt: «Da Blue Coat die iShared-Produkte von Packeteer recht schnell abgekündigt hatte, war für uns die Investitionssicherheit in diese Lösung nicht mehr gegeben. Doch im Rückblick bin ich sogar froh, dass uns das Schicksal hier einen vermeintlichen Streich gespielt hatte», erinnert sich Thorsten Krian. Die KHWE machte sich daran, ihre geplante Architektur stattdessen mit den ProxySG-Appliances von Blue Coat abzubilden. Dabei stellte sich heraus, dass für die KHWE eine teilweise dezentrale Datenhaltung im Krankenhausverbund sogar die bessere Lösung ist.

«Bei einem Krankenhausverbund fallen einfach sehr viele Daten nicht im zentralen Rechenzentrum, sondern in den Peripherien an», resümiert Krian. «Daher lässt sich der theoretisch schöne Ansatz einer zentralen Datenhaltung in der Praxis hier nicht so einfach umsetzen. Wir haben uns daher entschieden, nur die Server und Daten zu zentralisieren, bei denen es sinnvoll und praktikabel ist.» Gleichzeitig sollte der Zugriff auf alle verteilten Daten so schnell wie möglich ablaufen.

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