SAP-Chef McDermott im Interview: «Oracle hinkt drei Jahre hinterher»

Anlässlich der Bekanntgabe von SAPs jüngsten Quartalszahlen hatte unser Korrespondent Chris Kanaracus vom «IDG News Service» Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit SAP-Chef Bill McDermott. Es ging um Oracle, Hana und Mobilität.

» Von Heinrich Vaske *, vof, 21.07.2014 10:45.

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* Dieser Artikel wurde ursprünglich in unserer Schwesterpublikation «Computerwoche.de» veröffentlicht. Heinrich Vaske ist der dortige Chefredakteur.

CW: SAP möchte, dass seine Kunden auf die In-Memory-Plattform Hana wechseln. Viele Unternehmen haben derzeit aber Oracles Datenbank im Einsatz. Oracle selbst bietet nun ebenfalls eine In-Memory-Option für seine Datenbank an. Was bedeutet das für Hana - auch vor dem Hintergrund, dass SAP ja ein wichtiger Reseller der Oracle-Datenbank ist?

Bill McDermott: Kunden möchten Auswahl, und wir glauben an offene Märkte und Wahlfreiheit. SAP-Anwendungen laufen seit vielen Jahren auf Oracle-Datenbanken. Diese Option wird es für unsere Kunden weiterhin geben. Oracle hat seine In-Memory Option ja noch gar nicht wirklich im Markt. Sie hinken wahrscheinlich um rund drei Jahre hinterher. Gestern hatte ich mit einem grossen Chemiekonzern zu tun. Sie sind an einem Fleet Management in Echtzeit interessiert. Das kann man mit Hana tun - und mit keiner anderen Datenbank.

SAP weist in seinen Bilanzen nicht mehr den Hana-Umsatz, sondern nur noch die Zahl der Kunden aus. Warum?

Wir sind einfach ein zu grosses Unternehmen, um solche Zahlen auf einem derart granularen Level auszuweisen. Hana ist inzwischen mit allem verknüpft, was wir anzubieten haben. Ob es eine Cloud-Anwendung für Fachabteilungen ist oder eine Software-Suite auf einer Hana Enterprise Cloud - immer ist Hana Teil der Lösung. Wir haben 1200 Suite-on-Hana-Kunden und zählen mehr als 1500 Startups, die ihre Angebote auf Hana aufsetzen. Wir verkaufen eine Menge Big-Data-Lösungen, die auf Hana aufsetzen. Inzwischen zählen wir 38 Millionen SAP-Cloud-Anwender. Jeder von ihnen wird ein Hana-Nutzer sein.

SAP hat zuletzt wenig Lärm um seine Sybase-Mobility-Produkte gemacht und auch hier nicht explizit den Umsatz ausgewiesen. Wie laufen die Mobile-Geschäfte?

Sie laufen prima, insbesondere die Unwired Platform und Afaria für die Endgerätesicherheit. Wir haben heute Anwendungen für 27 verschiedene Branchen im Angebot, wo wir den Anwender jeweils eine schöne Benutzererfahrung auf ihren Endgeräten bieten. Auch diese Zahlen können wir nicht im Detail herausgeben - denn was ist heute nicht mobil?

SAP hat heute eine neue Organisation angekündigt, die sich auf kleine und mittlere Unternehmen fokussieren soll. Geht es wieder einmal darum, die ERP-Cloud-Suite Business ByDesign zu pushen? Wir haben von ihr zum letzten Mal im Oktober 2013 gehört, als sie deren Portierung auf Hana angekündigt haben.

McDermott: ByDesign läuft inzwischen auf Hana. Wir haben es nach wie vor in unserem Angebot. Die neue Abteilung wird auch Business One auf Hana herausbringen, und zwar weltweit.

Patentstreit drückt auf den Gewinn

Das Interview wurde anlässlich der Bekanntgabe der SAP-Zahlen in den drei Monaten bis Juni geführt. Dabei musste SAP einen um rund 25 Prozent niedrigeren Nettogewinn (557 Millionen Euro, 675 Millionen Franken) als im Vorjahr mitteilen. Grund dafür ist ein langwieriger Patentstreit mit dem US-Unternehmen Versata, bei dem sich abzeichnet, dass SAP verlieren dürfte. Darum wurden vorsichtshalber Rückstellungen im Wert von 350 Millionen Franken gebildet.

Abgesehen von dem Patentstreit liefen die Geschäfte der Walldorfer in den drei Monaten bis Juni aber auch weitgehend wie von Experten erwartet. Wechselkurseffekte fielen nicht mehr so stark ins Gewicht wie zuletzt. Der Umsatz wuchs um zwei Prozent auf 5 Milliarden Franken, das bereinigte Betriebsergebnis um vier Prozent auf 1,5 Milliarden Franken. Der Produktumsatz mit Software und Services (SSRS) legte währungsbereinigt mit acht Prozent am oberen Ende der fürs Jahr anvisierten Spanne zu. Die Cloud-Sparte wuchs um Sondereffekte bereinigt um fast ein Drittel auf 293 Millionen Franken Umsatz. Damit gewann das Unternehmen auf dieser Seite mehr hinzu als es im klassischen Lizenzgeschäft mit fest installierter Software einbüsste.

Vor allem wegen des abgeschlossenen Zukaufs Fieldglass peilt SAP mit dem noch jungen Erlösmodell nun mehr Umsatz im Jahr an, die Prognosebandbreite hob das Management um Bill McDermott um 60 Millionen Franken. Die neue Spanne liegt nun bei 1,00 bis 1,05 Milliarden Euro. Analysten hatten mehrheitlich mit einem solchen Schritt gerechnet. Die abgeschlossenen Verträge wuchsen weiter stark - sie schlagen sich durch die Ratenzahlungen aber erst nach und nach im Umsatz wider.

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