Mobilfunkfrequenzvergabe: Swisscom, Salt und Sunrise uneins

Bei der Vergabe von Mobilfunkfrequenzen im Hinblick auf 5G haben Telcos das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Während Swisscom auf eine schnelle Vergabe drängt, fordern Sunrise und Salt zuerst eine Anpassung der Rahmenbedingungen.

» Von lp, sda, 06.11.2017 10:07.

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Bei der anstehenden Vergabe von Mobilfunkfrequenzen im Hinblick auf die neue Technologie 5G sind sich die Telekomkonzerne Swisscom, Salt und Sunrise uneins. Während die Swisscom aufs Tempo drückt, fordern Sunrise und Salt vor der Vergabe zuerst eine Lockerung der Strahlenschutzgrenzwerte. Denn diese sind in der Schweiz zehnmal strenger angesetzt als in der EU. Damit werde die Einführung der neuen Mobilfunkgeneration 5G behindert, hatten die beiden grossen Anbieter wiederholt beklagt. Weil die Maximalgrenze an vielen Orten schon erreicht sei, könnten Antennen nicht mehr auf die neue Mobilfunkgeneration aufgerüstet werden. Zudem erschwere es den Bau neuer Antennen. Andernorts müsse die Sendeleistung der Handyantennen reduziert werden, was Netzabdeckung und Kapazitäten verringere.

Swisscom drückt aufs Gas

Die Swisscom plädiert für eine möglichst rasche Vergabe der Mobilfunkfrequenzen: «Wir wünschen uns eine Vergabe per Auktion im ersten Halbjahr 2018», sagte Sprecher Armin Schädeli auf Anfrage zu einem entsprechenden Artikel der «NZZ am Sonntag». Die neue Mobilfunkgeneration 5G verspricht viel höhere Surfgeschwindigkeiten sowie viel kürzere Reaktionszeiten. Erst damit werden autonome, vernetzte Autos möglich. Aber nicht nur für die neue Technologie, sondern auch für die bisherige Mobilfunkgeneration 4G wäre eine frühzeitige Frequenzvergabe nützlich, erklärte Swisscom-Sprecher Schädeli: «Wir könnten die Frequenzen bereits für 4G nutzen.»

Sunrise und Salt auf der Bremse

Anders sehen dies die Konkurrenten Sunrise und Salt: «Eine Vergabe neuer Mobilfunkfrequenzen darf nicht vor 2020 erfolgen», sagte Sunrise-Sprecherin Therese Wenger. Die Strahlenschutzregulierung (NISV) sei vorgängig anzupassen. «Sonst werden Investitionen in Frequenzen gebunden, die nicht eingesetzt werden können.» Ins gleiche Horn stösst laut der Zeitung Salt: Für eine kleinere Mobilfunkbetreiberin sei es «kaum möglich», Unsicherheiten zu tragen, die mit einer Zuteilung des Spektrums vor Anpassung des regulatorischen Rahmens einhergingen, äusserte sich ein Salt-Sprecher gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Vergabemodus umstritten

Zudem gehen die Ansichten über den Vergabemodus auseinander: Während die Swisscom eine Auktion wünscht, plädieren Sunrise und Salt für andere Kriterien. «Die Frequenzen im 700 MHz-Bereich sollen den Anbietern zu gleichen Teilen und fairen Preisen ohne Auktionsverfahren zugeteilt werden», forderte Sunrise-Sprecherin Wenger. Diese tiefen Frequenzen haben eine besonders hohe Reichweite, weshalb sie weniger Antennen benötigen.

Der Präsident der Eidgenössischen Kommunikationskommission (Comcom), Stephan Netzle, geht laut der «NZZ am Sonntag» davon aus, «dass die Vergabe gegen Ende 2018 erfolgen wird». Auch er spricht sich für eine Lockerung der sehr strengen Strahlenschutzgrenzwerte aus: «Die Schweiz muss nochmals über die Bücher.» Rund alle zehn Monate verdopple sich der Datenverbrauch. Es gebe einfach physikalische Grenzen, wie viele Daten man mit den bestehenden Antennen und Strahlenschutzgrenzwerten übertragen könne, erklärte Netzle der Zeitung.

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