Kommunizieren per Web? Aber bitte verfügbar und sicher

Voice und Video over IP machen punkto Kosten und Effizienz für viele Unter­nehmen Sinn. Die Umsetzung stellt jedoch hohe Anforderungen an die IT-Infrastruktur. Bei der Konzeption und im Management des Netzwerks ist einiges zu beachten.

Das zentrale Management stellt sicher, dass Verfügbarkeit und Sicherheit der WAN-Infrastruktur nicht durch die operativ notwendige Flexibilität gefährdet wird
  

» Von Martin Bosshardt, 16.09.2009 11:17. Letztes Update, 16.09.2009 11:19.

Martin Bosshardt ist CEO der Open Systems AG

Telefonie- und Videoanwendungen über das Internet zu nutzen, war vor noch nicht allzu langer Zeit eine Angelegenheit für Early Adaptors mit viel Geduld und starken Nerven. Der Ton war schwer verständlich und die Bilder ruckelten. Heute ist die VoIP-Technologie ausgereift und für internationale Unternehmen eine wichtige Alternative zu den herkömmlichen Telefonienetzen. Auch der Bereich Video over IP interessiert nicht mehr nur multinationale Konzerne. Verstärktes Kostenbewusstsein auf Unternehmensseite
sowie Reiseeinschränkungen als Reaktion auf Bedrohungen wie Pandemie- oder Terrorwarnungen sind wichtige Treiber von virtuellen Meetings geworden.

Netzwerk für Business-Ansprüche

Die Integration der Kommunikationsnetzwerke in die WAN-Infrastruktur bringt sowohl kommerziell als auch operativ grosse Vorteile. Aber Achtung: Je mehr geschäftskritische Anwendungen über die gleiche WAN-Infrastruktur gefahren werden, desto grösser wird die Abhängigkeit im Tagesgeschäft. Fällt zum Beispiel die Verbindung zum zentralen ERP-System (Enterprise Resource Planning) aus, kann auch nicht per E-Mail oder Telefon nachgefragt bzw. eskaliert werden. Die Planung und Umsetzung von Massnahmen zur Sicherstellung der operativen Geschäftstätigkeit, kurz Business Continuity genannt, gewinnt also massiv an Bedeutung. Die internen IT-Verantwortlichen sind gefordert, sich mit Themen wie Bandbreitenmanagement, Verfügbarkeit und Sicherheit auseinanderzusetzen.

MPLS für die Kritischen Daten

Martin Bosshardt
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Als Basis einer verfügbaren und sicheren Kommunikationsinfrastruktur empfiehlt sich aus heutiger Sicht die Kombination einer End-to-End-Verbindung mit MPLS (Multiprotocol Label Switching), wie sie die Betreiber grosser Transportnetze anbieten, und direkten Verbindungen der Standorte ins Internet über lokale ISP (Internet Service Provider). Eine MPLS-Infrastruktur mit garantierten Latenzzeiten oder Packetverlustraten auf End-to-End-Verbindung bietet sich als primärer Transportweg für die unternehmenskritischen Daten an. Wichtig dabei ist, dass bei einer MPLS-Verbindung die Rahmenbedingungen von Punkt A nach Punkt B immer gleich, also keinen Schwankungen ausgesetzt sind. Je nach Vertraulichkeit der zu übermittelnden Daten ist eine Verschlüsselung nach modernem Standard wichtig.

Lokaler Provider für den Rest

Für den weniger unternehmenskritischen und meistens auch hochvolumigeren Datenverkehr empfiehlt sich der Einsatz von lokalen ISP. Dieser direkte Zugang ins Internet, auch WAN-Offloading genannt, entlastet die MPLS-Infrastruktur. Zudem ermöglicht der direkte Zugang zum Internet lokale Vorschriften in Bezug auf die Internetnutzung - zum Beispiel in China - technisch einfach und für die Behörden transparent einzuhalten. Neben dem Offloading kann durch die Verbindung der lokalen ISP ein VPN (Virtual Private Network) als Backup-Infrastruktur zum MPLS-Netzwerk aufgebaut werden, über welches der Verkehr geleitet wird, falls das MPLS-Netz nicht verfügbar sein sollte. Mit dieser Kombination von MPLS und lokalen ISP kann ein Unternehmen Kosten und Nutzen seiner unterbrechungsfreien Netzwerkinfrastruktur optimal an seine spezifischen Bedürfnisse anpassen. Zudem ist die Ausfallsicherheit durch die unterschiedlichen Technologien - im besten Fall auch von der Anbieterseite - gewährleistet.

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