Erosion im Telekomgeschäft

Alle drei grossen Schweizer Telekommunikationsdienstleister machen weniger Umsatz. Eine Spurensuche nach den Gründen und Ursachen.

» Von Johannes Brinkmann, sda, 12.05.2017 05:12.

weitere Artikel

Bildergalerie

Bildergalerie

Das Klima in der Telekombranche wird rauer: Erstmals seit langer Zeit hat die Erosion im Kerngeschäft den Umsatz von allen drei grossen Komplettanbietern Swisscom, Sunrise und UPC nach unten gezogen.

Bei Sunrise sank der Umsatz im ersten Quartal um über 3 Prozent, bei der Swisscom Schweiz um gut 2 Prozent und bei UPC (früher Cablecom) um mehr als 1 Prozent. Damit ist der lange Aufwärtstrend auch bei der grössten Kabelnetzbetreiberin der Schweiz vorbei: Erstmals seit dem zweiten Quartal 2009 musste UPC einen Umsatzrückgang ausweisen.

Das ist der erste Taucher seit dem Amtsantritt von Firmenchef Eric Tveter. Bislang hatte die Kabelnetzbetreiberin die Erosion im Kerngeschäft auch mit Preiserhöhungen fürs Grundangebot wettmachen können. Bei Swisscom und Sunrise schrumpft der Umsatz schon seit einiger Zeit.

«Der Wettbewerb hat sich in jüngster Vergangenheit intensiviert», stellte UPC-Chef Tveter vor kurzem fest. Nachdem UPC im vergangenen Oktober neue Bündelangebote vorgelegt habe, habe die Konkurrenz nun nachgezogen. Für die Kunden wurde es billiger.

Weniger Umsatz

Bei Sunrise sank der Umsatz im ersten Quartal 2017 um 3,3 Prozent auf 431 Millionen Franken. Der Rückgang ist zum grossen Teil auf die Senkung der Durchleitungsgebühren im Mobilfunk (Mobilfunk-Terminierungsgebühren) zurückzuführen, wie der zweitgrösste Telekomanbieter der Schweiz am Donnerstag mitteilte.

Diese Senkung hatten die drei grossen Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt auf Anfang Jahr vereinbart. Damit stellen sie sich gegenseitig weniger in Rechnung für die Durchleitung von Anrufen aufs Handy.

Die Senkung habe 10 Millionen Franken Umsatz gekostet, schrieb Sunrise. Dagegen seien die Auswirkungen auf den Gewinn äusserst gering gewesen. Ohne die Senkung der Mobilfunkterminierungsgebühren wäre der Umsatz nur um 1 Prozent gefallen.

Sunrise habe die Talfahrt im Startquartal verlangsamen können, erklärte Finanzchef André Krause in einer Telefonkonferenz. Man habe die positive Dynamik bei der Steigerung der Kundenzahlen fortgesetzt. Alleine im Mobilfunk habe Sunrise seit Ende Dezember 25'000 Abokunden gewonnen.

Auch beim Internet und TV-Geschäft konnte das Unternehmen mehr Kunden anlocken. Dies gelang sogar in der Festnetztelefonie, womit sich Sunrise deutlich von der Swisscom unterscheidet, die hier einen kräftigen Aderlass erlitt.

Nächste Seite: Strukturelle Erosion

Werbung

KOMMENTARE

Olli Laaksonlaita: 12-05-17 10:23

Die Schweiz wird die Mobile-Terminierungsgebühren noch massiv senken müssen um im europäischen Raum konkurrenzfähig zu bleiben. Diese Gebühren sind heute etwa drei Mal so hoch wie z.B. in DE und AT. Zudem werden im EU-Raum im Sommer 2017 Roaming-Gebühren abgeschafft. Die Schweiz manövriert sich (momentan) in eine Sackgasse ... und schadet die eigenen Bürger/innen massiv. PS. Ich habe schon längst eine "EU SIM-Karte" angeschafft - die einzige vernünftige möglichkeit heute ausserhalb CH.

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.