Das Internet: Eine Allmende?
Geringwertige aber datenintensive Applikationen wie Filesharing bremsen im Internet zunehmend Geschäftsanwendungen aus. Die Uni St. Gallen plädiert in einer Studie für die Einführung von Qualitätsklassen.

» Von , 13.04.2007 09:19. Letztes Update, 13.04.2007 09:24.
Die heutige Gleichbehandlung der Datenpakete im Internet ist volkswirtschaftlich ineffizient und innovationsfeindlich. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen. Laut den Auto-ren zeigt das Internet mehrere Charakteristiken einer Allmende. Während dieser Begriff im Allgemeinen ein kollektives Weideland bezeichnet, beschreibt er in der Wirtschaftslehre einen traditionellen Lehrbuchfall, der die spezifische Ursache von Marktversagen aufzeigt. Im Fall des Internet bedeutet dies, dass die verfügbare Breitbandstruktur durch wenige Teilnehmer aber auf Kosten der Gesamtheit übernutzt wird. Schuld daran ist gemäss der Studie nicht zuletzt die heute gängige Flatrate-Bepreisung: Egal, wie üppig die Datenpakete sind, die Benutzer beispielsweise mit Film- oder Musik-Downloads durch die Leitungen jagen - es entstehen keine Zusatzkosten. Die Konsequenz: Wichtige Anwendungen wie gehostete Geschäftsapplikationen oder Voip werden in Spitzenbelastungszeiten -zunehmend ausgebremst.
Heute herrscht Einheitsqualität
Zwar bemühen sich die Netzwerkbetreiber, die Daten so zuverlässig wie möglich zu transportieren. Doch nach dem heute angewandten Best-Effort-Prinzip erhalten alle Teilnehmer eine Einheitsqualität. Um dennoch einen möglichst hohen Standard zu gewährleisten, haben die Infrastruktur--Anbieter die Kapazität ihrer Breitbandnetze bislang überdimensioniert. Das heisst, der Ausbaustandard übertrifft jeweils die maxi-male Auslastung. Doch sei es fraglich, ob diese massiven Investitionen bei den steigenden Datendurchsätzen mittel- bis langfristig adäquat refinanziert werden können, so die Studienautoren. Deshalb plädieren sie nun für die Einführung von so genannten QoS-Klassen (Quality of Service) als Zusatz zum heutigen Best-Effort-Modell. Unter QoS wird die Möglichkeit verstanden, einzelne Dienste in einem Netzwerk und über Netzgrenzen hinweg hinsichtlich der Dienstqualität unterschiedlich zu behandeln.
Die Studie prognostiziert, dass QoS-Geschäftsmodelle über eine Bündelung von Premium-Content und QoS-basiertem Transport zu einem «Qualitätspaket» funktionieren werden. Dabei sind für die St. Galler Experten drei Ansätze denkbar: Zum einem könnte der Anwender das Paket beim Content-Anbieter buchen, der dafür garantiert, dass die Daten in einer nachvollziehbaren Qualität geliefert werden. Möglich wäre überdies, dass der Kunde einen Qualitätsvertrag mit dem Internet-Service-Provider abschliesst oder auch, dass die Qualität über Werbung finanziert wird.



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