Suva standardisiert die Datenaufbereitung

Mit 1,8 Millionen Versicherten und deren Lohnangaben für die Unfallversicherung steht die Suva vor einem gewaltigen Datenfluss. Standardprozesse sollen die Aufarbeitung erleichtern.

» Von Volker Richert, 06.10.2005 18:22. Letztes Update, 06.10.2005 18:25.

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Während die Suva (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) mit der ominösen Bewirtschaftung ihrer Immobilien Schlagzeilen produziert, gehen die Anstrengungen der Luzerner zu Kosteneinsparungen nahezu unbemerkt an der Öffentlichkeit vorbei. Dabei arbeitet der für die Prämienservices verantwortliche Ernst Stalder an einem sehr ambitionierten Vorhaben. Allein über die Optimierung der eigenen IT-Prozesse sollen immerhin jährliche Kosteneinsparungen von rund 2 Millionen Franken in der obligatorischen Unfallversicherung erreicht werden.
Mit einem Kernteam von vier Leuten treibt Stalder die Realisierung eines Web-basierten Abrechnungssystems voran, das im nächsten Jahr den Betrieb aufnehmen soll. Das Ziel ist ein einheitliches Lohnmeldeverfahren (ELM) für die bei der Suva versicherten rund 110 000 Betriebe und deren gut 1,8 Millionen Arbeitnehmer.
Ausgelöst wurde das Projekt von den allgemein unbefriedigenden Lohnmeldeverfahren der rund 300000 Unternehmen in der Schweiz. Diese arbeiten heute mit irgendeinem der zahlreich vorhandenen Lohnbuchhaltungssystemen und erfassen damit die Lohndaten von 3,4 Millionen Arbeitnehmer. Um diese Datenflut korrekt zu melden, mussten sie bisher separat und bis zu 80 Prozent manuell aufbereitet werden.
Die Suva, als grösste Unfallversicherung der Schweiz, und die AHV-Ausgleichskassen haben zur Standardisierung der Lohnmeldeprozesse im Jahr 2003 die ELM-Initiative ins Leben gerufen. «Unser Ziel ist es», erläutert Stalder, «die Abläufe zu vereinfachen, zu vereinheitlichen und zu beschleunigen sowie Fehler beim Übertragen auf Formulare zu vermeiden und die so erreichte Qualität auf Dauer sicher zu stellen.» Damit sollen die 110000 Unternehmen oder 1,8 Millionen Versicherten ihre Lohndaten nur noch einmal -aufbereiten müssen. «Per Maus-klick», so Stalder weiter, «werden die Daten dann via Internet an die Suva, die Sozialversicherungsträger, die Steuerbehörden und ans BfS (Bundesamt für Statistik) übermittelt.»
Den Schlüssel sieht der Suva-Verantwortliche in der Standardisierung von Abläufen und Verfahren sowie in deren Zertifizierung. Laut Stalder wurden bereits seit 2002 die massgeblichen Hersteller von Lohnbuchhaltungssoftware in das Projekt integriert. Ausserdem wurde mit dem Kanton Bern und mit der Firma Berna Biotech Pilotprojekte gestartet.
Als Web-Plattform ist von BEA Systems der Weblogic Server 8.1 und für die Transaktionsprozesse von BEA das Tuxedo in der Version 8.1 im Einsatz. Damit ist laut Stalder aber lediglich die IT-Infrastruktur geschaffen worden, die sowohl die Abwicklung hoher Datenmengen garantiert wie die Einbindung vieler Einzelsysteme. Ausserdem erlaube das BEA-System die Weiterverarbeitung der Daten über eine offene Java-Lösung, wie Stalder festhält. Die Schwierigkeiten lagen aber nicht bei der IT-Infrastruktur. «Vielmehr ging es darum einen einheitlichen Standard zu schaffen, den auch die bisherigen Lohnbuchhaltungssystem--Hersteller mittragen würden», beschreibt der Projektverant-wortliche das Problem. Die Lösung lieferte erst der gemeinsam mit den Beteiligten entwickelte «Lohnstandard-CH» (ELM) auf der Basis des XML-Formats zur Datenübertragung. Unter www.swissdec.ch stellen heute bereits die Suva, die AHV, der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) und die Steuerverwaltung Bern die entsprechenden Standards zur Verfügung. Stalder hofft nun, dass er die Zahl der inzwischen über 50 Hersteller von Software für die Lohnbuchhaltung, die bereits entsprechende ELM-Schnittstellen zugesagt haben, vergrössern kann.


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