Die smarten Netzanalysten

» Von Andreas Eberhard, ETH News, 16.08.2017 10:25.

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Mitten im Wachstumsschub

Bis vor kurzem war der Firmensitz von Adaptricity ein 25 Quadratmeter kleiner Raum am Power Systems Laboratory der ETH. Anfangs war es Koch, der nach seiner Dissertation im Rahmen des Pioneer Fellowship Programms von der ETH angestellt wurde. Nach der Firmengründung kamen weitere Mitarbeiter dazu, viele von ihnen Studenten oder Praktikanten. Man arbeitete an der Software, partizipierte an Forschungs- und Pilotprojekten zusammen mit der ETH. Der kleine ETH-Spin-off finanzierte sich anfangs hauptsächlich über solche Projekte sowie über erste kleinere Beratungsmandate für Schweizer Netzbetreiber. 2015 erhielt Adaptricity von der Förderinitiative Venture Kick zudem 130'000 Franken Starthilfe.

Seit Anfang 2017 ist Adaptricity aber auf Wachstumskurs. Im Februar übernahm der Kabelhersteller LEONI zwei Drittel der Aktien und stellte die Firma finanziell vorerst auf sichere Beine. Das Startup zog daraufhin von der ETH an die Hohlstrasse im Zürcher Kreis vier um. 22 Mitarbeiter beschäftigt die Firma heute, einige davon in Deutschland.

Vom Lizenzverkauf hängt der Erfolg ab

Die grösste Veränderung steht allerdings noch bevor. Bis anhin machte Adaptricity seinen Umsatz vor allem mit Beratermandaten bei Netzbetreibern in der Schweiz und Deutschland. Im letzten Jahr erzielte das Unternehmen so immerhin schon einen sechsstelligen Betrag. Das skalierbare Modell, von dem die Zukunft der Firma abhängt, ist jedoch ein anderes: Der Verkauf von Lizenzen für ihre SmartGrid-Softwareplattform.

Momentan sind die IT-Leute von Adaptricity mit den letzten Arbeiten am Produkt beschäftigt. Verkaufsstart ist für diesen Herbst geplant. Vom Erfolg dieses Geschäfts wird abhängen, ob Adaptricity seine Ziele erreicht: Im Geschäftsjahr 2019 möchten die Firmengründer die Gewinnzone erreichen. Dem Erfolg wird derzeit alles untergeordnet. So schlug Mitgründer Ulbig, der nebenberuflich als ETH-Dozent tätig ist, vor kurzem gar den Ruf auf eine Voll-Professur an einer deutschen Universität aus.

Die potenziellen Kunden von Adaptricity sind schnell ausgemacht, da als solche ausschliesslich Netzbetreiber infrage kommen. In der Schweiz sind diese allesamt in öffentlicher Hand. Adaptricity orientiert sich aber auch in Richtung Ausland. Zum Glück für die Firma ist die Energiewende nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern wie etwa Deutschland ein politischer Trend. Die Ausgangslage ist für Adaptricity also dieselbe geblieben wie vor der Gründung: Letztlich wird die Politik entscheiden, wie viel Geld in erneuerbare Energien und somit auch in die intelligenten Stromnetze fliesst. Je mehr die Politiker diesbezüglich aufs Tempo drücken, desto besser für die smarten Netzanalysten aus Zürich.

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