Die Karten neu gemischt

    

» Von Ludger Schmitz, 03.09.2007 08:52.

Citrix erhält in den ersten Stellungnahmen von Analysten durchweg Zustimmung zu der 500-Millionen-Dollar-Übernahme von Xensource. Der Tenor lautet: Wenn Vmware im Desktop-Bereich auf das Terrain von Citrix vordringe, sei es nur verständlich, wenn sich umgekehrt der Spezialist für Server-based Computing im Revier des Server-Virtualisierers versuche. «Es geht darum, dass man mit virtuellen Servern an das Thema IT-Infrastruktur völlig anders herangehen kann», sagt Forrester-Research-Analyst Frank Gillett zu den Interessen von Citrix.

Analysten begrüssen den Kauf

Der Marktbeobachter ist der Ansicht, Xensource biete Citrix nicht nur Know-how um den Hypervisor-Kern und dessen Erweiterungen, sondern insbesondere Tools zur Administration virtualisierter Umgebungen, deutlich unterstrichen durch die Präsentation von Xen Enterprise und Server 4. In diesem Punkt stimmt ihm Gordon Haff, Analyst von Illuminata, zu: «Das Drumherum um den Hypervisor ist interessant.»

Bemerkenswerterweise hat Credit Suisse eine Woche vor der Xensource-Übernahme eine Citrix-Studie seiner Analysten Philip Winslow und Dennis Simson veröffentlicht, die geradezu prophetisch war. Sie schrieben: «Wir glauben, Citrix könnte daran interessiert sein, zentrale Virtualisierungsinfrastruktur und Management-Tools zu erwerben, um das Produktportfolio so zu erweitern, dass es Rechenzentren der nächsten Generation adressiert.» Sie kamen zu dem Schluss: «Unseres Erachtens könnte einer der Xen-Entwickler, entweder Xensource oder Virtual Iron, ein attraktives Ziel für Citrix sein.»

Doch Citrix stehe kein Spaziergang, sondern ein Weg mit Hindernissen bevor. «Citrix betritt neue Märkte mit neuen Kunden und neuen Verkaufsargumenten. Sie müssen erst viele Dinge zusammenführen», warnt Analyst Gillett. «Die Schlacht wird darüber ausgetragen, wer die Software kontrolliert, welche wiederum die Rechenzentren kontrolliert.»

Bleibt Vmware dominant?

Vmware besetzt mindestens vier Fünftel des Markts für Server-Virtualisierung. Dem könnte das Triumvirat Citrix-Xensource-Microsoft jetzt mehr entgegensetzen. Hinzu kommt, dass Novell und Red Hat Xen in ihre Linux-Distributionen direkt integriert haben. Allerdings ist erstens nicht absehbar, welche Bedeutung die Linux-Wettbewerber bekommen. Jedoch sollte man nicht über-sehen, dass Vmware und Mi-crosoft ebenfalls gute Partner sind und der Redmonder Konzern in den Wettbewerb um diesen lukrativen Markt längst mit eigenen Produkten eingetreten ist, also Eigeninteressen jenseits von Vmware und Citrix besitzt.

Das Markforschungsunternehmen 451 Group spekuliert auf Übernahmeschlachten: «Könnte das der Auftakt sein für eine Übernahme von Citrix durch Microsoft?» Dagegen spricht, dass Citrix ein milliardenschwerer Brocken wäre und die US-Börsenaufsicht etwas gegen die dann monopolartige Dominanz von Microsoft beim Server-based Computing haben dürfte. Ausserdem müsste der Redmonder Konzern mit der auf der GPL basierenden Open-Source-Komponente von Xensource eine für ihn bittere Pille schlucken.

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