«Blockchain ist ein Hype»

» Von Peter Rüegg, ETH News, 22.09.2017 14:30.

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Was ist der Vorteil davon?

Eine Bitcoin-Blockchain ist «glasnost». Alle können nachverfolgen, welche Transaktionen wann vorgenommen wurden. Wer hingegen hinter den Transaktionen steckt, ist verschlüsselt. Eine Blockchain bietet also die interessante Möglichkeit, eine Verwaltung transparent zu machen.

Und dieses System ist hieb- und stichfest?

Ich sage gerne: «Don’t bring a blockchain to a gun fight». In einer völlig anarchischen Welt wird sich der Stärkere durchsetzen, mit oder ohne Blockchain.

Seit wann gibt es diese Technologie?

Eigentlich ist es eine alte Geschichte. Eine Blockchain basiert auf Verteilten Systemen und Kryptographie, beides Themen mit viel Tradition und entsprechenden Turing-Awards. Die Kombination der beiden Themen gibt es auch schon seit 25 Jahren. Neu ist der Bitcoin-Hype. Durch Bitcoin stossen viele Leute auf den Begriff Blockchain.

Mir scheint, dass es doch nicht etwas für jedermann und jedes und alles ist. Wem nützt es, wer nutzt es?

Das ist nicht so klar. Für Bitcoin gibt es momentan wohl zwei Hauptnutzergruppen: Die Mehrheit spekuliert mit Bitcoin und investiert in diese Kryptowährung. Sie hofft, dass deren Wert weiter steigt. Andere nutzen Bitcoin, um unsaubere Geschäfte abzuwickeln. Dazu zählen Steuerhinterziehung, Waffen- und Drogenhandel, Lösegeldforderungen. Für die Unterwelt ist Bitcoin das perfekte Werkzeug, um unerkannt Geschäfte abzuwickeln.

Wie wird sich das System entwickeln?

Bitcoin oder andere Kryptowährungen werden sicher wichtiger. Bitcoin ist eine sehr dezentrale und unkontrollierte Form einer Kryptowährung. Der Wert eines Bitcoins wird nicht von einer Nationalbank beeinflusst, sondern nur vom Markt, vom Vertrauen der Benutzer in ihre Währung. Bitcoin ist es egal, wie hoch die Teuerung oder die Arbeitslosigkeit ist. Nationalbanken versuchen die Teuerung mittels Geldpolitik zu steuern. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind noch Nischenprodukte. Wenn sie wirklich wichtig wären, müssten sich Nationalbanken was einfallen lassen.

Was ist die Alternative?

Ich bin überzeugt, dass die Nationalbanken eigene Kryptowährungen ausgeben werden, etwa ein elektronisches Englisches Pfund. Elektronische Schweizer Franken wird es vermutlich nicht so schnell geben; ich habe den Eindruck, dass die Schweizer Nationalbank etwas konservativ ist – obwohl gerade in der Schweiz viel Knowhow vorhanden wäre. An der ETH Zürich etwa gibt es einige Professoren, die sich gut mit dem Thema auskennen; die ETH Zürich wurde kürzlich sogar zur «top research institution on blockchain technology» gekürt. Mit einem elektronischen Schweizer Franken könnte man künftig Verträge rein digital aufsetzen. Das würde viele juristische Konzepte vereinfachen, beschleunigen und verbessern, weil man sich mathematisch präziser ausdrücken kann als sprachlich. Der Anwalt der Zukunft sollte programmieren lernen (schmunzelt).

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