Banken dürfen Digitalisierung nicht verschlafen

Bei der laufenden Digitalisierung der Finanzbranche ist für die Schweizer Banken das Mitmachen ein «Muss». Verschlafe eine Bank die Entwicklungen, so drohten andere Player wie Apple zu übernehmen, warnt ein Bankenexperte.

» Von AWP , 11.05.2015 09:51.

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Auch hinter den in den letzten Monaten vorgestellten Zahlungs-Lösungen für Smartphone stehe vor allem eine strategische Frage, sagte Andreas Dietrich, Professor für Bankmanagement an der Hochschule Luzern (HSLU), in einem Interview mit AWP an der Branchenveranstaltung «Finance2.0». «Will eine Bank den Kunden mit seinen Transaktionen und Zahlungen weiterhin bei sich behalten - oder will sie dieses Feld kampflos Apple Pay oder anderen überlassen?»

Insgesamt schätzt er die Schweizer Bankbranche bezüglich Digitalisierung im Ländervergleich etwa im europäischen Mittelfeld ein. «Allerdings sollte der Finanzplatz Schweiz eigentlich den Anspruch auf einen Platz unter den Top 5 oder gar den Top 3 haben - und dort sind wir wohl nicht.»

Die verschärfte Regulierung in der Finanzbranche dürfte die Digitalisierung ebenfalls unterstützen, glaubt Dietrich. Als Beispiel führt er das Anlagegeschäft an, wo es «enorm viel Optimierungspotenzial für eine Prozessautomatisierung» gebe. Gleichzeitig dürfte es im Anlagegeschäft aber wegen neuer digitalisierter «Robo-Advisor»-Angebote - wie etwa dem Investomat der Glarner Kantonalbank - zu einem weiteren Druck auf die Margen kommen. «Das kann viele Banken schmerzen, nachdem ja bereits die Einnahmen aus den Retrozessionen weggefallen sind.»

Hemmend wirkt sich die Regulierung auf die Entwicklung von «Crowdlending»-Plattformen, auf denen Privatpersonen an andere Privatpersonen Kredite vergeben («peer-to-peer») und die sich in etwa in den USA oder Grossbritannien wachsender Beliebtheit erfreuen. Der Grund sei, dass hierzulande - ohne eine Banklizenz - Darlehen nur von maximal 19 Personen entgegengenommen werden dürfen.

Nur als Nischenmarkt erachtet der HSLU-Professor derzeit das wachsende Angebot an Online-Hypotheken. So würden weniger als zwei von 100 Hypotheken online abgeschlossen oder verlängert, das Volumen liege bei etwa 2 Milliarden Franken pro Jahr. Insgesamt schätzt er, dass am Online-Hypothekenmarkt in fünf Jahren insgesamt 7 bis 10 Milliarden umgesetzt würden. «Das ist immerhin das Vierfache des heutigen Volumens, was eine schöne Wachstumsrate bedeutet.»

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