Zürcher Kantonalbank: Software nach Fahrplan

Qualität ist harte Arbeit. In der IT resultiert sie vor allem aus einem geordneten Change-, Release- und Deployment-Prozess. Die Zürcher Kantonalbank hat einen solchen in einem gross angelegten, zweieinhalb Jahre dauernden Projekt erfolgreich implementiert.

Die Zürcher Kantonalbank hat einen grossen Change-, Release- und Deployment-Prozess nach Fahrplan vollzogen.Die Zürcher Kantonalbank hat einen grossen Change-, Release- und Deployment-Prozess nach Fahrplan vollzogen.

» Von Christoph Witte, 16.07.2012 09:50.

Der Autor ist freier Publizist in München. Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Beck et al.

Das «Shared Service Center Logistik», in dem die IT der Zürcher Kantonalbank beheimatet ist, bearbeitet in vier grossen Software-Entwicklungsbereichen (ERP, CRM, Kernbanken- und Handelssystem) pro Jahr rund 120 grössere Change-Projekte und über 400 kleinere. Weil bis vor Kurzem ein geordneter Release-Prozess und eine Integ­ra­tionstestumgebung in der Entwicklungszone fehlte und deshalb nur unzureichende Verbundtests durchgeführt wurden, kam es immer wieder zu Qualitätsproblemen, die oft erst beseitigt werden konnten, wenn eine neue oder geänderte Software bereits in Produktion gegangen war. Das machte den Entwicklungs- und Testprozess zeitaufwendig und fehlerhaft. Nachdem eine neutrale Studie diese Ineffizienzen nachgewiesen hatte, gab die Geschäftsführung der Zürcher Kantonalbank grünes Licht für den Aufbau eines neuen «Service Center Testings». Ziel war eine höhere Software-Qualität und – wenn möglich – kürzere Einführungszeiten.

Ablauf geregelt

«Sie können sich den Prozess vorstellen wie einen Bus, der bestimmte Haltestellen nach einem festen Fahrplan ansteuert. Projekte, die nicht pünktlich an der Haltestelle stehen, müssen einfach auf den nächsten Bus warten», erläutert Klara Isler, die als Leiterin Logistik, Informatik, Service Transition bei der Zürcher Kantonalbank die Neuordnung des Change-, Test- und Deployment-Prozesses verantwortete. Der neue Prozess ist in fünf Stationen strukturiert: Initiierung, Definition, Realisierung, Gewährleistung und Betrieb. Dazwischen liegen sechs sogenannte «Quality Gates», in denen geprüft wird, ob alle notwendigen Schritte einer Phase in hinreichender Qualität vollzogen sind. Erst wenn diese grünes Licht geben, darf das jeweilige Software-Projekt in die nächste Phase starten.

Dabei hat das Quality Gate «Freigabe Integrationstest» (QG 3) eine besondere Bedeutung. Ab hier muss die eigentliche Entwicklungs­arbeit an allen Projekten abgeschlossen sein, die zu einem vorgesehenen Release-Wochenende produktiv gehen sollen. Denn sollte das nicht der Fall sein, sind keine Integrationstests möglich, und damit auch keine Fehlerbeseitigung, Abnahmetests und Produktionsfreigabe. Die Integrationstests dauern inklusive Fehlerbeseitigung sechs Wochen, für die Abnahmetests sind in der Regel drei Wochen angesetzt. Zwischen Integrations- und eigentlichem Abnahmetest liegt noch eine Einführungsprobe, die sicherstellen soll, dass die geplante Einführungszeit ausreicht. Nach dem Abnahmetest und vor dem Release-Wochenende haben die Testdesigner eine Reservewoche eingeplant, damit auch Unvorhergesehenes und Last-Minute-Reparaturen durchgeführt werden können.

Natürlich fährt nicht nur ein Bus. Die Zürcher Kantonalbank hat für 2012 vier Release-Wochenenden und zusätzliche acht Release-Tage für kleinere Changes vorgesehen. Ab 2013 sind fünf Release-Wochenenden geplant. Eine Sonderrolle spielt das Handelssystem, bei dem die Geschwindigkeit, mit der Neuerungen eingeführt werden können, eine hohe Priorität hat. Deshalb fährt der Handelsbus die Haltestellen Initiierung bis Betrieb jede Woche ab. Die anderen Projekte haben in der Regel längere Durchfahrtszeiten.

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