Wie Cablecom, Sunrise und Swisscom Werbeanrufen ein Ende setzen wollen

Sunrise, Swisscom, UPC Cablecom sind auf der Suche nach Lösungen, um unerwünschte Werbeanrufe zu blockieren. Salt sträubt sich noch.

» Von Simon Gröflin , 19.05.2016 08:00.

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Ob auf dem Handy oder auf dem Festnetz: Die ungebetenen Werbeanrufe sind ein Dorn im Auge vieler Bürger. Oft kommen Callcenters an Nummern ran, die nicht im Telefonbuch eingetragen sind. Dahinter stecken Einwahlcomputer, die einmal kurz anrufen. Bei Entgegennahme geben Ahnungslose ihre Nummer den Callcenters preis. Damit soll nun bald Schluss sein. Die Telkos, namentlich Sunrise, Swisscom, UPC Cablecom haben sich, wie angekündigt, mit den Konsumentenschützern an einen Runden Tisch gesetzt. Und der Konsumentenschutz konnte sich durchsetzen. Je nach Telkofirma können deren Kunden ab Ende 2016 mit einer Lösung zur Filterung von Werbeanrufen rechnen. Wie eine Filterung von Werbeanrufen umsetzbar wäre, wird erst in groben Zügen umrissen. Telekommunikationsanbieter sollen über eine Filterliste verfügen und ihren Kunden per Opt-in anbieten, diese aktivieren zu lassen, sagt das Bakom auf Nachfrage. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, Kunden eine eigene Liste mit Nummern führen zu lassen, die blockiert werden sollen.

Das sind jedoch nur die theoretischen Möglichkeiten. Es wird sich erst noch zeigen, wie die Telkos eine Lösung konkret auf technischer Ebene umsetzen wollen. Swisscom denkt über die erste Möglichkeit in Form einer «Spam-Liste» nach. Gestützt auf die Netz- und Verkehrsanalysen würde ein Dienst offeriert, bei welchem Anrufe dieser dynamischen Liste nicht mehr durchgestellt werden. «Ähnlich wie bei E-Mail-Spam-Filtern wird dies kein hundertprozentiger Schutz sein», sagt Swisscom-Mediensprecher Armin Schädeli auf Anfrage. Die Lösung werde zurzeit erarbeitet und es gäbe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viel zu sagen.

Swisscom wird voraussichtlich Ende 2016 eine Lösung anbieten. UPC Cablecom in ungefähr zwölf Monaten. Sunrise gab an, zur Prüfung der Umsetzbarkeit und zur Implementierung mehr als ein Jahr zu benötigen. Bei den Konsumentenschutzorganisationen zeigt man sich erfreut über den gemeinsamen Schritt gegen unerwünschte Werbeanrufe. Teilgenommen am Runden Tisch haben nebst dem Bakom und dem Seco auch Vertreter von VTX, von CallNet.ch und vom Branchenverband für Contact-Center- und Kundenmanagement.

Salt hat sich bislang gegen einen solchen Lösungsansatz entschieden, da die Problematik primär die unerwünschten Werbeanrufe im Festnetz betreffe. «Oft erfolgen Werbeanrufe aus dem Ausland, wo eine Überprüfung der Rufnummer nicht möglich ist», sagt Salt auf Anfrage. Im Gegensatz zu Mehrwertdiensten sei beim Telefonmarketing eine Rufnummer des Anrufenden zudem beliebig austauschbar. Ausserdem bestünde bei einer flächendeckenden Filtereinführung ein grosses Risiko, dass die Verursacher auf andere Dienste ausweichen, befürchtet Salt. Man befürchte sogar eine Verschlimmerung des Problems. 

Wie Sie sich gegen Callcenter-Anrufe zur Wehr setzen, lesen Sie  in den Tipps zum Schutz vor Werbeanrufen unseres Schwestermagazins PCtipp.

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KOMMENTARE

Binary Digital: 19-05-16 13:41

ein Lösungsansatz im Sinne einer Whitelist kommt mir da als Erstes in den Sinn. Der Aufwand ist überschaubar, der Kunde hat es selber in der Hand, wen er whitelisted, und das Antiargument von Salt greift so gleich gar nicht mal.

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