29.07.2013, 11:15 Uhr

Weiterer Apple-Zulieferer massiv in der Kritik

Nach Foxconn soll auch der neue Apple-Zulieferer Pegatron seine Mitarbeiter ausbeuten. Dies prangert eine Menschenrechtsorganisation an, die unter anderem über Lohndumping, Arbeit von Minderjährigen und Misshandlung von Mitarbeitern berichtet.
Ist bei Apple-Zulieferer Pegatron nur auf den ersten Blick alles sauber?
Aktivisten haben skandalöse Arbeitsbedingungen bei einem weiteren grossen Zulieferer von Apple in China angeprangert. Nach einer Untersuchung wirft die Organisation China Labor Watch (CLW) dem taiwanesischen Auftragsfertiger Pegatron in drei Fabriken schwere Verstösse gegen das Arbeitsrecht vor. Ein am Montag in New York veröffentlichter Bericht beklagt ausufernde Überstunden, Vertragsverletzungen, Billiglöhne, Arbeit von Minderjährigen, Misshandlung durch Manager sowie Umweltverschmutzung in China. Die Zustände am Arbeitsplatz und in Unterkünften seien schlecht. Es gebe Besorgnisse über Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter.

Nach einer hnlichen Kontroverse um seinen Hauptzulieferer Foxconn hatte der Computer-, iPhone- und iPad-Produzent mit Sitz im kalifornischen Cupertino zunehmend Auftrge an Pegatron vergeben. In einer Reaktion versicherte Pegatron-Chef Jason Cheng, den Vorwürfen nachgehen und eventuelle Verstösse gegen chinesisches Arbeitsrecht oder eigene Standards beheben zu wollen. «Wir nehmen diese Vorwürfe sehr ernst.» Auch Apple teilte mit, der Konzern fühle sich «sicheren und gerechten Arbeitsbedingungen in unserer Lieferkette» verpflichtet. Die Vorhaltungen in dem CLW-Bericht würden sofort und eingehend untersucht. «Wir werden keine Abweichungen von unserem Verhaltenskodex zulassen.»

Umfangreiche Ermittlungen

China Labor Watch hatte von März bis Juli verdeckte Ermittler in die drei Fabriken geschickt und rund 200 Interviews mit Arbeitern ausserhalb gemacht. «Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass Arbeitsbedingungen in Pegatron-Fabriken noch schlimmer sind als in Foxconn-Fertigungsstätten», stellte CLW-Direktor Li Qiang fest. «Apple erfüllt seine eigenen Standards nicht.» Die Zulieferer missbrauchten ihre Arbeiter, um an Aufträge von Apple heranzukommen. «Auf diese Weise verschlimmert Apple die Bedingungen von Arbeitern, anstatt sie zu verbessern», sagte Li Qiang.

Die durchschnittliche Arbeitsstundenzahl pro Woche in den drei untersuchten Fabriken liegt laut CLW bei 66 bis 69 Stunden. In Shanghai seien Arbeiter unter Druck gesetzt worden, Formblätter zu unterschreiben, um die wahre Zahl zu vertuschen. Apple teilte mit, dass eigene Untersuchungen bei Pegatron zuletzt im Juni 46 Wochenarbeitsstunden festgestellt hätten. Die Ermittler von CLW hatten Fabriken des Auftragsfertigers und dessen Töchter Riteng in Shanghai und AVY in Suzhou untersucht. Sie stellen iPhones, iPad-Teile sowie Apple-Computer her. Mit den neuen Aufträgen hatte Pegatron die Zahl der Arbeiter im Frühjahr von 50 000 auf 70 000 erhöht.

China Labor Watch hob hervor, dass Apple bei Qualitätsmängeln «keinerlei Toleranz» erlaubt und sofort reagiert. «Aber eine niedrigere Stufe der Dringlichkeit gilt offenbar für die Reaktion auf Missbräuche von Arbeiterrechten.» Apple wies darauf hin, dass der Konzern eng mit China Labor Watch zusammenarbeite und verantwortliche Teams in China habe, die Vorwürfen nachgingen und Arbeitsbedingungen überprüften. «Wir sind stolz auf die Arbeit, die wir mit unseren Zulieferern leisten, um Probleme aufzudecken und die Bedingungen für unsere Arbeiter zu verbessern.»



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