Warum Live-Sport die Telko-Zukunft mitentscheidet

Swisscom wird im Live-Sport nie mehr an bisherige Dominanz anknüpfen. Das hat die Produktpräsentation von Teleclub gezeigt. Davon profitieren aber nicht nur die Kabelunternehmen, sondern auch die internationale Konkurrenz.

» Von Fabian Vogt , 06.10.2016 16:53.

weitere Artikel

Die Eröffnungssequenz war pompös: Minutenlang, mindestens drei, vielleicht auch vier, blickten die Medienvertreter im Kino Capitol gebannt auf die Grossleinwand, wurden mit schnellen Schnitten, Farbenspielen, englischer Sprecherstimme und viel Hollywood-Glamour bezirzt. Es war ein Werbeclip der Cinetrade AG, die ihre Vorzüge präsentierte. «Seht her, wir sind DIE Entertainment-Firma der Schweiz», sollte wohl das Motto lauten. Wer derart viel Wert auf Äusserlichkeiten legt, hat inhaltlich meistens nicht viel zu bieten. Das war bei Cinetrade nicht anders.

Angekündigt war eine «Programmoffensive des Teleclub», ein Unternehmen der Cinetrade AG. Geblieben ist, um im Sportlerjargon zu bleiben, ein schlecht vorgetragener Konter, der bereits an der Mittellinie abgefangen wird. Super League und Challenge League wird es weiterhin exklusiv bei Teleclub geben, einige Spiele darf auch das Schweizer Fernsehen übertragen. Dafür hat man die Rechte an der Primera Division und der Premier League verloren, wobei letztere mit einer Notlösung und französischem Kommentar doch noch gehalten werden konnte. Viel relevanter ist jedoch, dass im Frühsommer die Rechte der Schweizer Eishockey Nationalliga UPC gingen. Dazugewonnen hat Teleclub dafür die Übertragung von rund 100 NHL-Spielen sowie die nicht wirklich relevante Champions Hockey League und den völlig unwichtigen Schweizer Cup. Dass man daneben vor allem die Neuverpflichtung des deutschen Star-Kommentators Marcel Reif, der allerdings nur als Experte tätig sein wird und auf der Bühne aber mal so gar nicht mit seiner neuen Chefin Claudia Lässer harmonierte, in den Vordergrund stellte, zeugt von leichter Ideenlosigkeit in Volketswil, dem Hauptsitz der Teleclub AG. Und dürfte auch dem abwesenden Hauptaktionär nicht gefallen haben: Swisscom hält 75 Prozent an Cinetrade, um im Kampf um TV-Kunden die besseren Argumente zu haben.

Live-Sport als USP - das war einmal

Live-Sport kann im breiten Portfolio der grossen Schweizer Telekommunikationsfirmen schnell einmal untergehen. Dabei spielt er beim Kampf um die Vormachtstellung eine entscheidende Rolle: Der Schweizer Telekommunikationsmarkt hat seine Blütezeit gesehen. Zwanzig Jahre nach der Liberalisierung geht es darum, in einem Verdrängungskampf bestehen zu können. Vorbei die Zeit, als Kunden willig hunderte Franken Roaminggebühren zahlten, aus Dankbarkeit, im Ausland telefonieren zu können. Vorbei die Zeit, als sich Kunden von gewieften Verkäufern Produkte aufschwatzen liessen, die sie nicht brauchten. Der Konsument von heute will alles aus einer Hand.

Das haben Quickline, Sunrise, Swisscom und upc schon länger erkannt und sind mittlerweile alle zu Triple-Play- oder sogar Quadruple-Anbietern mutiert: Sie bieten Festnetz- und Mobiltelefonie, Internet und TV an. Früher zahlte der Kunde zweimal, vielleicht dreimal eine Grundgebühr. Heute schaut er sich auf dem Markt um und entscheidet, ob er mit seinem Internet-Anschluss zum Festnetzanbieter oder mit seinem Mobileabo zum TV-Anbieter wechseln möchte. Dieser Trend wird sich mit dem Wechsel auf All-IP-Telefonie noch akzentuieren. Entsprechend verlieren die Betreiber von Mobilfunknetzwerken, Sunrise und Swisscom, Kunden in diesem Bereich. Umgekehrt müssen die Kabelunternehmen, die früher 100 Prozent der TV-Anschlüsse kontrollierten, Marktanteile an die Konkurrenz abgeben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Gespräche finden statt


Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der NMGZ AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.