Warum Intel das iPhone verpasst hat

Intel hätte im iPhone stecken können. Wenn der abgetretene Intel-Chef Paul Otellini auf sein Bauchgefühl gehört hätte. So aber muss das Unternehmen im mobilen Bereich einem grossen Rückstand nachrennen – der neue CEO will den Abstand verkleinern.

» Von Fabian Vogt , 21.05.2013 10:57.

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Paul Otellini war Intel. 40 Jahre arbeitete der heute 63-Jährige für den Chip-Hersteller, die letzten acht als CEO. An der Spitze war er aber schon wesentlich länger, bereits 1989 wurde er «die rechte Hand» des damaligen Chefs Andy Grove, hat Intels Geschicke also über eine Zeitspanne geleitet, in welcher diverse ähnliche Firmen scheiterten. Seit gestern hat Intel einen neuen CEO, Brian Krzanich.

Seinen Abgang nutzte Otellini nicht, um seine Errungenschaften zu preisen, sondern um seinen grössten Fehler anzuprangern. So hätte Intel vor sechs Jahren der Chipproduzent für das iPhone werden können, hätte Otellini ein entsprechendes Angebot angenommen. «Wir haben den Auftrag nicht bekommen oder wir haben ihn abgelehnt, je nachdem wie Sie es sehen wollen,» sagte Otellini dem Magazin «The Atlantic». «Und die Welt wäre eine ganz andere, wenn wir es getan hätten.»

Anschluss verpasst

Dass er im Konjunktiv sprechen muss, hat seine Gründe. «Man muss sich in Erinnerung rufen, dass niemand wusste, was das iPhone werden wird…Am Ende des Tages wollte Apple einfach einen Chip haben und dafür waren sie bereit, einen bestimmen Preis zu zahlen -  und keinen Nickel mehr.» Dieser Preis sei aber unter den von Intel prognostizierten Kosten gelegen, weswegen Otellini den Auftrag abgelehnt habe. «Ich konnte es damals nicht sehen. Es war nicht eines dieser Dinge, die man mit Volumen rechtfertigen könnte. Doch im Nachhinein waren die prognostizierten Kosten falsch und das Volumen 100-Mal mehr als das, was wir erwartet hatten.» Im Nachhinein ist man halt immer schlauer, wie Otellini reumütig feststellt: «Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen».

Intel hat es bisher nicht geschafft, im mobilen Geschäft erfolgreich zu sein. Der neue CEO hofft, dass sich das ändert. «Wir sind in diesem Bereich bisher etwas langsam,» sagte Brian Krzanich nach Amtsantritt dem Nachrichtenmagazin «Bloomberg». «Unser Portfolio erlaubt es uns, hier in Zukunft schneller zu wachsen.» Dies soll wohl ein Hinweis auf die neue Generation der Intel-Atom-Prozessoren namens «Silvermont» sein, für die eine neue Mikroarchitektur entwickelt wurde und mit der Ende 2013 die ersten Tablets bestückt sein sollen. Bislang stecken Intel-Prozessoren erst in 12 Smartphones  und in 13 Tablets.

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