Verliert Trivadis noch einen Millionenauftrag im Bund?

Das Astra hat entschieden, die Zusammenarbeit mit Trivadis für ein Strassenverkehrssystem zu beenden. Nun droht dem Zürcher IT-Dienstleister, deswegen auch ein millionenschwerer Wartungsvertrag verloren zu gehen.

» Von Fabian Vogt , 27.08.2015 15:47.

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Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat diese Woche die Zusammenarbeit mit Trivadis beendet. Weil sich die beiden ehemaligen Partner über die Details eines Werkvertrags uneinig sind, darf der Zürcher IT-Dienstleister das «Informationssystem Verkehrszulassung (IVZ)» nicht mehr zu Ende entwickeln. Der Fall dürfte vor Gericht enden, das Astra gibt sich siegessicher.

Trivadis droht jetzt, unabhängig von einem möglichen Verfahren und dem bereits erlittenen Reputationsschaden, weiteres Ungemach: Das Bundesamt für Informatik musste im Auftrag des Astra einen Leistungserbringer für den Middleware-Betrieb des IVZ suchen. Und hat sich zu Beginn des Jahres für Trivadis entschieden. Der Vertrag läuft über drei Jahre und ist mit 5,5 Millionen Franken dotiert. Zusätzlich gibt es eine Option auf eine 7-jährige Verlängerung, die Trivadis 21,8 Millionen Franken bringen würde. Allerdings ist Trivadis darauf angewiesen, dass das Astra den Vertrag aufrechterhalten will.

Heikle Situation

Das Bundesamt steckt dabei in der Zwickmühle. Einerseits scheint das Tuch mit Trivadis endgültig zerschnitten. Nachfragen ergaben, dass sich die Parteien nichts mehr zu sagen haben. Eine langfristige Wartungszusammenarbeit scheint so unmöglich. Andererseits hat Trivadis mit dem IVZ ein System gebaut, mit dem das Astra mehrheitlich zufrieden ist. Bis auf die Performance-Probleme gibt es am IVZ nichts auszusetzen, deswegen möchte man es unbedingt weiter benutzen. Dass in Zürich gute Arbeit geleistet wird, ist dem Astra also bewusst. 

Den Vertrag mit Trivadis könnte ohnehin nur das Bundesamt für Informatik künden. Von diesem hat Trivadis noch nichts gehört. CEO Christoph Höinghaus geht davon aus, dass sich das BIT – wie bisher immer – an die vertraglichen Abmachungen hält. In diesen steht allerdings auch, dass das Bundesamt für Informatik den Betriebsvertrag mit Trivadis mit einem Monat Kündigungsfrist auflösen kann, falls das Astra den Betriebsauftrag mit dem BIT kündigt. Dabei müsste das Astra dem BIT schriftlich den Auftrag erteilen, die Fachanwendung ausser Betrieb zu nehmen. In bundesinternen Vereinbarungen wird dabei geregelt wie allfällige Ausserbetriebnahme-Kosten oder Restwert-Abgeltungen vom Fachamt an das BIT entschädigt werden.

Das BIT hat noch kein solches Schreiben erhalten, sagt aber auch, dass beim Entscheid pro Trivadis im Januar die heutige Situation nicht vorausgesehen werden konnte. Genauer könne man sich noch nicht dazu äussern.

Beim Astra heisst es, dass man noch keine Entscheidung in dieser Sache getroffen habe.

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