Tag-Heuer-Chef warnt vor Smartwatches: «Manche Marken sind arrogant»

Jean-Claude Biver will seine Smartwatch-Sparte vorantreiben. Und warnt die Uhrenindustrie einmal mehr, den Anschluss nicht zu verpassen.

» Von Fabian Vogt , 25.01.2016 13:20.

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Letztes Jahr lancierte Tag Heuer die erste Smartwatch. Dieses Jahr will man davon 100'000 bis 120'000 Stück verkaufen können, sagte Hublot-Chef Jean-Claude Biver Biver der «NZZ am Sonntag» (Artikel online nicht verfügbar). Nächstes Jahr sollen rund 200 000 Stück hergestellt werden. Noch nie hat Tag Heuer gemäss Aussage Bivers von einer einzigen Referenz 100 000 Uhren gemacht. 

Derzeit ist Apple Marktführer bei Smartwatches. Obwohl das erste Modell erst seit April letzten Jahres erhältlich ist und nicht die besten Reviews erhielt, setzte Apple gemäss einer Studie bislang 8 Millionen Exemplare ab. Zum Vergleich: 2014, als es die Apple Watch noch nicht gab, wurden gesamthaft 6,8 Millionen intelligenter Uhren verkauft. Im Ranking der Uhrenhersteller belegt Apple mit einem geschätzten Umsatz von 2,5 bis 3,5 Milliarden Dollar gemäss «NZZ» bereits Rang 2 hinter Rolex.

Biver warnt Uhrenindustrie einmal mehr

Auf diese Entwicklung angesprochen, sagte Biver: «Die Uhrenleute begehen einen Denkfehler, wenn sie nicht auf Apple reagieren. Wir sind noch in der Steinzeit der intelligenten Uhren. In fünf Jahren wird die Lesbarkeit der Anzeigen viel besser sein, weil man vielleicht den Inhalt auf eine Scheibe projiziert, wie in Autos mit Head-up-Display auf der Frontscheibe.» Besonders Uhren bis zu einem Preis von zirka 1500 Franken seien von der elektronischen Uhr bedroht, glaubt Biver: «Man analysiert und sagt sich, die Apple Watch ist doch keine Uhr, das ist ein Computer. Doch auch die Quarzuhr wäre dann keine richtige Uhr mehr, sie besteht aus einem Computerchip und einem Transformator, der die Vibration des Quarz in den Sekundentakt umwandelt.»

Biver sagt, er wisse nicht, wohin die Entwicklung bei den Smartwatches führe. «Aber was mache ich, wenn ich nicht weiss, wohin der Zug fährt? Ich steige ein und setz mich neben den Lokführer. Dann weiss ich, wohin er fährt. Wenn mir die Reise gefällt, bin ich vorne mit dabei. Wenn nicht, kann ich immer noch aussteigen.» Die meisten Schweizer Uhrenhersteller seien aber zu bequem, um etwas neues zu probieren. Nach dem Motto «never change a winning team». Die siebenjährige Erfolgsgeschichte hätte manche Marken in eine Phase der Arroganz geführt.

Bequemlichkeit und Arroganz

Für Biever scheint das Geschäft bislang aufzugehen. Bei Tag Heuer sind laut Biver 70 Prozent der Smartwatch-Käufer Leute, die sich ansonsten nie eine Uhr gekauft hätten. Allzu hohe Ansprüche tut er bislang keine kund: «Wenn wir nur 1 Prozent des Smartwatchvolumens für uns haben könnten, ist das schon viel», sagte Biver der «NZZ». Um das zu erreichen, richtet Tag Heuer im Mai in La Chaux-de-Fonds die erste Montagelinie für Mikroprozessoren ein. Damit sollen 30 bis 40 neue Arbeitsstellen geschaffen werden.

Im Herbst 2017 will Jean-ClaudeBiver seine zweite Smartwatch präsentieren. Diese werde derzeit mit Intel und Google entwickelt und soll in verschiedenen Grössen und Materialien wie Karbon, Keramik, Titan und mit Diamanten erhältlich sein.

Nebst Tag Heuer mit Swatch eine zweite grosse Schweizer Uhrenfirma letztes Jahr eine Smartwatch lanciert. Dieses Jahr soll ein neues Modell hinzukommen, das günstig sein soll und mit einer einer Bezahlfunktion ausgestattet wird.

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