Swisscom: 1 Jahr nach Carsten Schloter

Vor genau einem Jahr nahm sich Carsten Schloter das Leben. Die Swisscom brauchte eine Weile, um sich vom Tod ihres CEOs zu erholen. Mittlerweile befindet sie sich aber wieder in der Erfolgsspur.

» Von Fabian Vogt , 23.07.2014 13:56.

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Heute vor einem Jahr erlebte die Swisscom den schwärzesten Tag ihrer noch relativ jungen Firmengeschichte. Am 23. Juli 2014 nahm sich Carsten Schloter das Leben. Warum sich der damalige Swisscom-CEO zu diesem Schritt entschied, ist trotz verschiedener Mutmassungen unklar. Dass Reiberein mit Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli dazu führten, wie einige Medien spekulierten, ist unwahrscheinlich. In einem Abschiedsbrief erwähnte der nur 49 Jahre alt gewordene Schloter lediglich private Gründe.

Für die Swisscom als Unternehmen waren die Ursachen ohnehin nebensächlich. Man verlor mit Schloter einen charismatischen Chef, der strategisch sehr vieles richtig machte. Schloter verfügte zudem über ein unglaublich breites Fachwissen und war rhetorisch brillant. Als die Nachricht des Todes verkündet wurde, stand die Swisscom entsprechend still. Zuerst herrschte ungläubiges Erstaunen, berichteten Mitarbeiter. Daraufhin sei im Betrieb «einiges los gewesen». In Gruppen wurde heftig diskutiert, Frauen weinten, an ein Weiterarbeiten war nicht zu denken. «Immer fröhlich und sympathisch» sei er gewesen, «ein CEO der seinesgleichen sucht.»

Mit verschiedenen Aktionen wie dem Einrichten eines Kondolenzbuches im Intranet oder einer konzernweiten Schweigeminute versuchte die Swisscom-Führung, die Trauerphase zu erleichtern. Denn das Unternehmen musste die begonnene Reorganisation – weg vom Telekommunikationsanbieter hin zum ICT-Unternehmen – weiterführen.

Neuer CEO - alte Strategie

Als wichtigste Massnahme wurde mit Urs Schaeppi ein CEO eingesetzt, der zuvor jahrelang in verschiedenen Positionen für Swisscom arbeitete. Schaeppi verfügt vielleicht nicht über das Charisma von Carsten Schloter, kann aber ebenfalls mit breitem Fachwissen punkten und hat genaue Vorstellungen, wie die Swisscom auch in Zukunft erfolgreich bleiben will. In seinem ersten Jahr gelang vieles, die Swisscom befindet sich auf einem guten Weg.

Die Zusammenführung der Abteilungen Swisscom IT Services und Grosskundenabteilungen gelang mehrheitlich gut. Das Unternehmen kann nun Synergien nutzen und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Fortan werden Kunden aus Solution Centers bedient. Eine Strategie, die bei internationalen Grosskonzernen bereits erfolgreich aufgegangen ist. Was der Swisscom noch fehlt ist, dass sie bei KMUs und der breiten Schweizer Bevölkerung als Firma wahrgenommen wird, die mehr kann als Telefonleitungen zu verlegen und teure Roaming-Gebühren zu verrechnen.

Dafür tut sie einiges, hat vor kurzem mit «Tapit» eine App eingeführt, die das Handy zur digitalen Gelbörse machen kann. Und mit dem Produkt «Docsafe» hat man ein Cloud-Angebot lanciert, das für alle Schweizer – egal ob Swisscom-Kunde oder nicht – gratis unbegrenzten Speicherplatz bietet. Doch Produkte sind der Swisscom nicht so wichtig, wie uns Swisscom-Grosskundenchef Christian Petit neulich sagte. Er möchte primär, dass die Schweizer Manager verstehen, dass sie ihre Unternehmen digitalisieren müssen, um weiterhin am Markt bestehen zu können.

Auf Kurs

Gemäss den aktuellen Zahlen sieht es für Swisscom nicht schlecht aus. Zwar blieb man mit den Mai-Quartalzahlen leicht unter den Erwartungen, kann aber mit einer Umsatzsteigerung von 3,2 Prozent auf 2,821 Milliarden Franken, und einem um 4,4 Prozent tieferen Gewinn von 373 Millionen Franken weiterhin Werte aufweisen, an die kein anderes Schweizer ICT-Unternehmen auch nur annähernd herankommt.

Und gelingt es der Swisscom, KMUs und der breiten Bevölkerung klar zu machen, dass man mehr ist als nur ein Telekommunikationsunternehmen, wird die Swisscom auch (mindestens) mittelfristig eines der erfolgreichsten ICT-Unternehmen der Schweiz bleiben.

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