Schweizer SAP-Anwender proben den Aufstand

Auch 1 Monat nach dem SNB-Entscheid gibt SAP Währungvorteile nicht an Schweizer Kunden weiter. Die wollen sich das nicht mehr bieten lassen und drohen mit Kündigungen.

» Von Fabian Vogt , 12.02.2015 10:54.

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Vor genau 4 Wochen hob die Schweizerische Nationalbank den Euromindestkurs auf. Durch die Stärkung des Frankens konnten inländische Unternehmen auf Währungsrabatte von internationalen ICT-Dienstleistern wie SAP hoffen. Die Walldorfer sagten uns damals, sie würden noch abwarten und die Preisentwicklung beobachten. Seither hat sich der Euro etwas bewegt, liegt mit einem Kurs von 1.05 Franken aber nach wie vor deutlich unter den lange geltenden 1.20 Franken. SAP wartet aber weiterhin ab - und die Schweizer Unternehmen werden ungeduldig.

«Softwarefirmen wie SAP spielen ihre Marktmacht aus und verweigern Preissenkungen», sagt Peter Hartmann, Sprecher der Interessensgemeinschaft (IG) SAP Schweiz der «Handelszeitung». Die meisten Kunden würden für die Wartung aufgrund der Währungsverhältnisse 20 Prozent mehr als ausländische Konkurrenten bezahlen, wird Hartmann zitiert. Einigen Firmen würden die Wartungskosten sogar noch auf der Grundlage eines Euro-Umrechnungskurses von 1.60 Franken verrechnet. Ein Zuschlag von über 50 Prozent, den man nicht länger hinnehmen will. «Lenkt der deutsche Softwareanbieter nicht ein, werden wir die Wettbewerbskommission einschalten», sagt Hartmann. Auch über eine Kündigung der Wartungsverträge werde nachgedacht.

Gemäss ihrer Webseite gehören der IG SAP rund 70 Schweizer Firmen an, die eine Lizenzsumme von 320 Millionen Franken vereinen. Die rund 65 Millionen Franken Wartungskosten aus dem Lizenzvolumen der IG SAP würden rund 13 Mllionen mehr Gewinn für den SAP-Konzern ergeben, rechnet die Interessensgemeinschaft vor.

SAP reagiert gelassen auf die Drohungen. «Wir sind uns der Währungssituation in der Schweiz durchaus bewusst», wird eine Sprecherin zitiert. Man werde in den nächsten Wochen gegebenenfalls geeignete Massnahmen einleiten.

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