Schweiz: Privatbanken muss Digitalisierung helfen

Viele Schweizer Privatbanken sind nicht bereit für die digitale Zukunft. Hohe Kosten und das schwierige wirtschaftliche Umfeld könnten zur Schliessung jeder dritten Bank führen.

» Von Mark Schröder , 27.08.2015 09:48.

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Dem Finanzplatz Schweiz steht offenbar eine Konsolidierung bevor. Von den heute noch 130 Privatbanken könnten in einigen Jahren nicht einmal mehr 100 übrig sein, sagen das Beratungsunternehmen KPMG Schweiz und die Universität St. Gallen voraus. Die Institutionen haben Geschäftsergebnisse und Projekte von 91 Privatbanken analysiert.

In der Studie «Clarity On Performance of Swiss Private Banks – The Widening Gap» berichten die Experten von einer sich weitenden Kluft unterschiedlich gut aufgestellten Banken. Auf der einen Seite stehen eher grössere Institutionen, die ihre Prozesse optimiert und die Kosten im Griff haben. Auf der anderen Seite sind eher kleinere Häuser angesiedelt, die aufgrund der Versäumnisse in der Vergangenheit nun unter hohen Aufwendungen leiden. Neue regulatorische Vorgaben, die Währungsturbulenzen und der kommende Automatische Informationsaustausch drohen diesen Privatbanken, ihr zukünftiges Geschäft zu erschweren.

In die Gruppe der «Continuing Decline» sortiert Christian Hintermann, Head of Advisory Financial Services bei KPMG Schweiz, fast ein Drittel der Privatbanken ein. Diese Unternehmen hätten ein Kosten-Einnahmen-Verhältnis von 95 Prozent. Besser aufgestellte Banken wiesen eine eher gesunde Rate von 65 Prozent auf. Zum Vergleich: Bei Retail-Banken liege das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen zwischen 45 und 50 Prozent.

Investitionen in Digitalisierung

Als ein weiteres Unterscheidungskriterium zwischen den zwei Gruppen von Privatbanken identifizierte KPMG die Kosten für das Management von Assets im Wer von einer Milliarde Franken. Banken, deren Geschäfte kontinuierlich schrumpfen («Continuing Decline»), würden jährlich fast 8000 Franken für das Management aufwenden müssen. Ihre gut geschäftenden Counterparts («Strong Performer») kämen mit rund 5000 Franken aus.

Das mehr oder weniger ausgegebene Geld für den operativen Betrieb fehlt den Privatbanken an anderer Stelle. Ein Hauptziel von Investitionen sind Computer und Software. «Für die Digitalisierung sind signifikante Investitionen der Privatbanken notwendig», sagte Philipp Rickert, Mitglied der Geschäftsleitung von KPMG Schweiz, anlässlich der Präsentation der Studie. Die «Strong Performer» hätten beste Chancen, um global Talente für die digitale Transformation gewinnen zu können. Die kleineren Privatbanken liefen hingegen Gefahr, von der Technologie-Innovation abgekoppelt zu werden.

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