SBB wollen ÖV-Standard schaffen

SBB, Postauto und BLS wollen einen gemeinsamen Standard für Reiseplanung und Abrechnungen. Der ÖV zeigt Apple, Twint, Swatch + Co., wie Zusammenarbeit aussehen sollte.

» Von Fabian Vogt , 08.07.2016 15:00.

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Die SBB, Postauto und BLS wollen die technologischen Grundlagen für einen gemeinsamen ÖV-Standard schaffen. Der Standard solle auf der Logik «einfach einsteigen - beliebig fahren - einfach aussteigen» basieren und den Zugang zum öffentlichen Verkehr für Kunden vereinfachen, schreiben die SBB in einer Mitteilung. Vor diesem Hintergrund haben die drei beteiligten Unternehmen eine Absichtserklärung beschlossen, gemeinsam mögliche Zukunftslösungen einer automatischen Reiseerfassung und nachträglicher Abrechnung ausgehend von bestehenden Lösungen zu entwickeln.

In der Entwicklung des - so hoffen die drei Partner - elektronischen Zugangssystems für die gesamte Branche soll dem SwissPass eine zentrale Rolle zukommen. In einem ersten Schritt sollen die eigenen technischen Lösungen wie Lezzgo der BLS und Cibo von PostAuto weiterentwickelt werden. Im Herbst soll ein Pilotversuch durchgeführt werden. Angestrebt wird zudem ein flexibles Kooperationsmodell, an dem sich auch weitere Transportunternehmen des ÖV oder Verbünde beteiligen können. Damit, wie die SBB schreiben, «eine praxistaugliche Lösung von der Branche für die Branche entwickelt werden kann».

Partner, nicht Konkurrenten

Soweit, so gut. Bloss: Der ÖV in der Schweiz ist ein heterogenes Konstrukt, alleine dem Verband öffentlicher Verkehr sind 127 Transportunternehmen angeschlossen. Es gibt nebst den bisher genannten Lösungen von BLS und Postauto deshalb noch weitere, die bereits am Markt oder in Planung sind. Vor wenigen Monaten haben beispielsweise die Rhätische Bahn (RhB), die Freiburgischen Verkehrsbetriebe (TPF) und die Verkehrsbetriebe Luzern (vbl) die App «Fairtiq» vorgestellt, mit der keine Billete mehr gelöst werden müssen. Angesprochen auf die Pläne der SBB sagt uns RhB-CIO Urs Püntener: «Als ich die Mitteilung las, habe ich mich gefreut. Das bedeutet, dass sich die Branche bewegt und gewillt ist, sich weiterzuentwickeln.» Angst, dass Fairtiq damit nach kurzer Zeit wieder obsolet würde, hat Püntener keine: «Für uns ist das System sekundär. Die machen alle mehr oder weniger dasselbe, sind einfach in der Entwicklung noch nicht gleich weit. Am Ende geht es immer um den Nutzen für den Kunden.» Dass er nun möglicherweise die Fairtiq-Entwicklungskosten abschreiben muss, scheint Püntener egal zu sein: «Die Entwicklungskosten im Verhältnis zu dem, was durch ein solches System eingespart werden kann, sind marginal.»

Wenn man sieht, wie verbissen im Bereich der Kassenterminals gekämpft wird, wo jeder auf sich selbst und nicht den Kunden schaut, sind die Worte von Püntener eine Wohltat. Offenbar kapiert der ÖV im Gegensatz zu Apple, Twint, Kreditkartenunternehmen, Banken oder verschiedenen Uhrenfirmen, dass man nicht zwingend «survival of the fittest» spielen muss, um eine neue Technologie zu etablieren. Manchmal geht es auch mit Kollaborationen, im Wissen, dass durch technologischem Fortschritt am Ende der Kunde und die Unternehmen gewinnen.

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