Robotik: Von Angesicht zu Angesicht

Münchener Roboterforscher haben zusammen mit japanischen Wissenschaftlern Robotern ein Gesicht gegeben: Ein Beamer projiziertdabei das 3D-Bild eines menschlichen Antlitzes von hinten in eine Kunststoffmaske, Sprache und Mimik steuert ein Computer.

Takaaki Kuratate von der TU München im Zwiegespräch mit dem Mask-Bot
  

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» Von pd/jst, 09.11.2011 10:37.

Diese Mask-Bot genannte Kreatur sieht nicht nur menschenähnlich aus. Der Kunststoffkopf spricht auch, zeigt Emotion und Mimik. Schlichte Dialoge kann er schon. «Rainbow», sagt Takaaki Kuratate von der Technischen Universität (TU) München und einer der Väter von Mask-Bot. Schon klimpert der Maschinenmensch mit den Augen und entgegnet dem Gesprächspartner mit einem elaborierten Satz - derzeit noch auf Englisch. Übersetzt ins Deutsche sagt er: «Wenn sich Sonnenstrahlen in den feinen Wassertropfen der Atmosphäre brechen, dann entsteht ein Regenbogen.» Dabei bewegt er ein wenig den Hals und hebt vielsagend die Augenbrauen. 

Was fast täuschend echt wie ein sprechender Mensch aussieht, ist der Prototyp eines neuen Robotergesichts, das ein Team am Institut für Kognitive Systeme (ICS) der TU München in Kooperation mit einer Gruppe aus Japan entwickelt hat. «Mask-Bot wird die Art und Weise prägen, wie wir Menschen in Zukunft mit Robotern kommunizieren», prognostiziert Gordon Cheng, der Leiter des ICS-Teams.

Gleich mehrere Neuheiten haben die Entwickler dabei realisiert. Da ist einmal die grosse Präsenz eines Gesichts in 3D. Bislang verpassen zwar schon manche andere Gruppen ihren Maschinen ein dreidimensionales Antlitz, doch sind diese eher comicartig animiert. Mask-Bot hingegen hat einen dreidimensionalen Kopf: eine transparente Kunststoffmaske, auf die ein hinter ihr befestigter Beamer ein menschliches Gesicht projiziert.

Die Idee Gesichter zu projizieren ist nicht alt. «Walt Disney», nennt Kuratate einen Pionier des Felds, «liess schon in den 1960er-Jahren für seine Spukhaus-Installationen die Gesichter Grimassen schneidender Schauspieler auf Büsten projizieren, die damit zu sprechenden Köpfen wurden.» Während Disney die Büsten von vorne anstrahlte, ist es mit Mask-Bot jetzt möglich, alle Komponenten für das Gesicht in einem Roboter-Kopf von aussen unsichtbar unterzubringen. 

Dafür musste das Team mit einer stark stauchenden Fischaugenlinse mit einem Makroadapter dafür sorgen, dass bei einem Abstand von nur zwölf Zentimetern zwischen Linse und Gesichtsmaske dort auch wirklich ein komplettes Gesicht ankommt. Ein besonders starker, kleiner Beamer sowie eine spezielle Leuchtschicht-Imprägnierung auf der Innenseite der Kunststoffmaske verhelfen Mask-Bot zu so viel Leuchtkraft, dass die Kommunikation Mensch-Maschine auch bei Tageslicht möglich ist. «Bei uns können Sie die Vorhänge offen lassen», erklärt Kuratate lachend. 

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Einsatz in der Video-Konferenz

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