Post will Briefkasten ersetzen - und wird Swisscom-Konkurrent

Einst als PTT vereint, nun Konkurrenten. Die Post bietet die Möglichkeit, Dokumente wie Krankenkassenrechnungen elektronisch geliefert zu erhalten. Und tritt damit in Konkurrenz zum kürzlich vorgestellten «Docsafe» von Swisscom.

» Von Fabian Vogt , 07.07.2014 16:55.

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Der Briefkasten von morgen. So bezeichnet die Post ihr «E-Post Office». Damit kann der Empfänger wählen, ob er seine Briefe künftig weiter physisch in den Hausbriefkasten, elektronisch über die E-Post-Office-Plattform oder verschlüsselt als Email erhalten will. Rund 1500 Personen testeten den Dienst letztes Jahr, schreibt die Post. Heute wird der Dienst schweizweit lanciert. Aktuell können elektronisch eingegangene Sendungen digital beantwortet, weitergeleitet, verwaltet oder archiviert werden. Die Plattform soll etappenweise ausgebaut werden. In einem nächsten Schritt sollen Rechnungen direkt per Mausklick bezahlt werden können.

Voraussetzung für den Erfolg des Dienstes sind Unternehmen, die an die Plattform angebunden werden wollen. Zum Start ist die Postfinance dabei. Die Plattform an sich steht aber allen Schweizer Einwohnern offen, inklusive fünf GB Gratisspeicher. Hier geht's zum Produktvideo und zur Registrierung.

Mit dem «E-Post Office» tritt die Post in direkte Konkurrenz zur Swisscom. Die Telekommunikationsunternehmung hat vor kurzem ihren Dienst «Docsafe» vorgestellt, ebenfalls ein Cloud-Speicher für Privatkunden. Und Basis für ihre «Cloud für die Schweiz». Bei Docsafe ist der gratis Speicherplatz unlimitiert, dafür konnte man noch keine grösseres Unternehmen als Partner bekanntgeben. 

Swisscom-Sprecher Carsten Roetz zum neuen Konkurrenten: «Wettbewerb belebt das Geschäft und ist immer gut. Unsere Kunden haben gegenüber der Post-Lösung nebst dem umlimitierten Speicherplatz aber den Vorteil, dass sie bereits heute eigene Dokumente hochladen können.»

Dazu bietet Swisscom noch Schnittstellen zu Avaloq und Finova, bei der Post will man das ab dem ersten Quartal 2015 anbieten. Bereits im Herbst soll es beim «E-Post Office» möglich sein, Dokumente selbst hochzuladen, sagt Bernhard Bürki, Mediensprecher der Post. Den Unterschied zu «Docsafe» beschreibt Bürki folgendermassen: «Die Swisscom hat ihren Schwerpunkt beim Archiv. Unsere Hauptfunktionalität ist eine Drehscheibe für den Empfang von Dokumenten.»

Für den neutralen Beobachter bieten die Dienste - mindestens in einer ersten Phase - aber die gleichen Funktionalitäten. Da beide ehemaligen PTT-Betriebe über eine riesige Kundenbasis verfügen, wird es spannend zu beobachten sein, welcher Dienst mehr Anklang findet.

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KOMMENTARE

Marc Tschan: 09-07-14 13:18

Was soll das mit der Krankenkassenrechnung? Die kann ich doch via Bank schon lange als e-Rechnung erhalten!

Jose-P. Marcotte: 08-07-14 11:41

Vorsicht: die elektronische Dokumentenablage ist nicht pro Kunde verschlüsselt: mit einem(!) Passwort ist also der Zugang zu allen Dokumenten (Arzrechnung, Steuererklärung, Kreditkartenabrechnungen, Kontoauszüge, ...) aller Post-Kunden möglich.
Schade, bietet die Post für ein neues Produkt ausgerechnet in der Zeit der Datenschutz-Fragen keine professionelle Lösung an. Oder ist das gar gewollt?

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