Online-Bezahlsysteme: Der Kampf wird härter
Die grossen Kreditkartenanbieter lancieren eigene Online-Plattformen, um Konkurrenten wie PayPal auszustechen. Die Banken scheinen den Trend verschlafen zu haben.
Die grossen Kreditkartenanbieter wollen auch vom Online-Boom profitieren.» Von , 15.05.2012 11:58.
Visa und Mastercard starten neue Offensiven, um sich im zunehmend härter umkämpften Markt der Online-Bezahlsysteme zu behaupten. Noch ist klassische Kreditkartenbezahlung zwar die beliebteste Art, im Netz zu bezahlen, aber sicherere und bequemere Optionen erkämpfen sich langsam Marktanteile in dem Geschäftsfeld. Visa und Mastercard kontern jetzt jeweils mit eigenen, offenen Online-Plattformen, die auch Kreditkarten anderer Hersteller unterstützen und schnellere Bezahlung ohne ständige Eingabe von Kreditkartendaten ermöglichen.
Ähnliche Angebote, etwa von eBay-Tochter PayPal, haben den Vorteil, schon bedeutend länger am Markt zu sein. «Die Kreditkartenunternehmen sind spät dran. Alleine wird es schon schwierig werden, sich einen Platz im hart umkämpften Markt zu sichern. Im Rennen um Mobile-Payment haben die Kreditkartenfirmen in Zusammenarbeit mit den Telekommunikationskonzernen gute Karten. Die Mobilfunkanbieter können die Autentifikation über die SIM-Karten beisteuern und die Kartenbetreiber übernehmen das Back-Office-Handling», erklärt Roman Friedrich von Booz and Company.
Verwirrende Vielfalt
Momentan gibt es viele verschiedene Anbieter für Online-Bezahlsysteme. Dem Markt wird schon seit Jahren enormes Potenzial prophezeit, bislang hat es aber noch kein System geschafft, die Dominanz der Kreditkarten auf diesem Gebiet zu brechen.
«Im deutschsprachigen Raum ist das Bezahlverhalten sehr konservativ. Das Eingeben der Kreditkartendaten bei jedem Bezahlvorgang erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl. Bezahlen per Knopfdruck wird, anders als im anglophonen Raum, mit einem Kontrollverlust assoziiert. Mit der Dominanz der Digital Natives wird auch das Marktvolumen stark wachsen, deshalb ist es wichtig, sich heute schon zu positionieren. Die Akzeptanz von Online-Bezahldiensten steigt schon heute konstant an», erklärt Friedrich.
Die Vielfalt an konkurrierenden Lösungen stellt auch für die Händler ein Problem dar. Sie müssen sich entscheiden, welche Lösungen sie ihren Kunden zur Verfügung stellen möchten. Dabei spielen vor allem Preis und Verbreitungsgrad eines Service eine Rolle. «Händler scheuen oft vor neuen Technologien zurück, weil sie sonst ihre Infrastruktur abändern müssten. Niedrigere Gebühren als bei den Kreditkartenfirmen und die grosse Reichweite eines Bezahlsystems können aber überzeugende Argumente sein«, so der Experte.
Mit steigender Akzeptanz in der Bevölkerung, wird bei Online-Bezahlsystemen eine Konsolidierung eintreten. «Erst wenn sich die Gewinner herauskristallisieren, wird es eine Marktbereinigung geben. Zumindest zwei bis vier Anbieter kann der Markt verkraften. Nischenprodukte wird es auch immer geben», so Friedrich. Um eine Zersplitterung des Marktes zu verhindern, bieten die grossen Kreditkartenfirmen Systeme mit offenen Schnittstellen an, die auch mit anderen Kreditkarten funktionieren oder von Banken für eigene Lösungen adaptiert werden können.
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