NSA-Skandal: die Abgründe werden immer grösser

Geheimdiensten aus den USA und Grossbritannien wollen das gesamte Internet in Echtzeit «kartografieren». Inklusive der Endgeräte. Um das zu erreichen, zapfen sie Datenleitungen verschiedener Provider an und hacken sich in deren Server, sagen Snowden-Dokumente. Zu den Opfern soll unter anderem die Deutsche Telekom gehören.

» Von Fabian Vogt , 15.09.2014 10:38.

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Geheimdienste sind dazu da, potenzielle Gefahren vom eigenen Land fernzuhalten. Dazu müssen sie in Dingen stöbern, die eigentlich unter Verschluss bleiben sollten. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden wird aber immer offensichtlicher, dass die Art der Datensammlung von NSA und dem britischen Geheimdienst GHCQ weit über rationell erklärbare Sicherheitsbedenken hinausgeht. Es wird versucht, an so viele Informationen wie möglich zu gelangen, der Zweck heiligt dabei alle Mittel. Wie tief die Abgründe sind, in welche sich die genannten Geheimdienste mit ihrer Datensammelwut begeben, zeigt ein aktueller Bericht des «Spiegels». Mit dem Programm «Treasure Map» wollen NSA und GHCQ das gesamte Internet überwachen, inklusive aller ans Internet angebundenen Endgeräte wie Computern, Smartphones oder Tablets. Die Informationen hat der Spiegel aus verschiedenen Dokumenten von Edward Snowden, wie der (auf sicherheitskritische Informationen bereinigte) Präsentation von «Treasure Map» mit dem aufschlussreichen Titel «Bad guys are everywhere, good guys are somewhere!». «Treasure Map» soll eine «interaktive Karte des globalen Internets beinahe in Real-Time» erstellen, heisst es im Dokument. Mitarbeiter der USA-freundlichen Geheimdienste aus Grossbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland können das Programm auf ihren Rechnern installieren.

Google-Earth für den globalen Datenverkehr

Die Snowden-Dokumente zeigen, welche Unternehmen von den Geheimdiensten als Ziele von «Treasure Map» ausgesucht wurden. In Deutschland soll es sich unter anderem um die Deutsche Telekom, Netcologne und Stellar handeln. Netcologne ist ein lokaler Internetprovider für rund 400 000 Nutzer in Köln, Stellar ein Unternehmen, das hauptsächlich Internetverbindungen via Satellit in Regionen anbietet, in denen bislang keine Kabel liegen.

Man müsse sich «Treasure Map» als eine Art Google Earth für den globalen Datenverkehr vorstellen, schreibt der «Spiegel». Den Dokumenten sei nicht nur zu entnehmen, welchen physikalischen Weg welche Daten über welche Leitungen und Verbindungen nehmen. Es werde auch gezeigt, welche Kabel und Router von den Agenten bereits infiltriert wurden. Dass die Dokumente echt sind, fand der «Spiegel» schnell heraus. Er präsentierte seine Recherchen der Führungsgilde von Stellar. Die zeigte sich in einem Video, das in diesem Artikel eingefügt ist, geschockt. Die Reaktion des CEOs von Stellar, Christian Steffen: «Fuck. Der gehackte Server war von unserer eigenen Firewall geschützt. Um an diesen zu gelangen, musste man in unser Netzwerk einbrechen.» In den Stella-Papieren haben die Spione unter anderem aufgelistet, welche Kunden der Firma mit welcher Technik versorgt werden. Inklusive Passwörter von Stellar-Kunden in Klartext. Nach Angaben von Stellas IT-Chef könnten mit den Zugriffen sogar Internetverbindungen abgeschaltet werden, beispielsweise nach Afrika. Fares sagt, dass der Angriff ein klarer Verstoss gegen Deutsches Recht sei.

Die Telekom und Netcologne sagen, sie hätten bislang keine Anzeichen für Spionage gefunden, man untersuche den Vorfall aber. Der «Spiegel» hat 11 weitere, nicht deutsche, Firmen kontaktiert, die im Dokument genannt wurden. Vier antworteten mit dem Verweis, man habe bisher keine Unregelmässigkeiten feststellen können. NSA und GCHQ wollten sich im «Spiegel» nicht äussern.

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