Muss sich die Schweizer Uhrenindustrie fürchten?

Die Apple Watch ist da. Auch andere Hersteller buhlen um das von Schweizer Manufakturen geschmückte Handgelenk. Was meinen Analysten zu den Emporkömmlingen?

» Von Marcel Hauri , 10.09.2014 11:41. Letztes Update, 10.09.2014 13:43.

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Nach der Ankündigung der Smartwatch von Apple, die Anfang 2015 auf den Markt kommen soll, wird der Druck auf die Schweizer Uhrenunternehmen vorerst nicht abnehmen. Auch Samsung, LG und Motorola haben in den letzten Monaten Smartwatches vorgestellt. Von der Bedienung her scheint jedoch Apple wieder mal allen ein Schnippchen geschlagen zu haben. Setzt die Konkurrenz ausschliesslich auf Touch-Gesten auf dem Display, hat Apple seine Arbeit wieder einmal gründlicher gemacht. Seine Uhr hat vier verschiedene Eingabemethoden: Wischen, Drücken, drehbare Krone und separater Zurück-Knopf. Dieses Bedienkonzept ist innovativ und lässt die Konkurrenz alt aussehen. Auch beim Design hat Apple einen guten Mittelweg gefunden, einzig die runde Motorola 360 scheint von diesem Aspekt her der Apple Watch paroli zu bieten. Samsung und LG werden mit ihren klobigen Plastik-Uhren vermutlich chancenlos sein. Und das Problem mit den Batterielaufzeiten ist nach wie vor nicht gelöst.

Analysten bleiben optimistisch für das Uhrenland Schweiz

Die Preise dieser neuen Gerätekategorien bewegen sich alle zwischen 200 und 400 Franken. Sie zielen damit auf das tiefe bis mittlere Preissegment der Uhrenhersteller ab, wie René Weber, Vontobel-Analyst gegenüber der Wirtschaftsagentur AWP sagt. Er sieht keine Gefahr für das Hochpreissegment, das immerhin 87% der Schweizer Uhrenindustrie ausmacht. Er erwartet aber von Swatch, dass das Unternehmen mittelfristig eine eigene Smartwatch auf den Markt bringt.

Auch Jon Cox von Kepler erwartet nach der gestrigen Präsentation und dem eher tiefen Preis und wenig ansprechenden Design der Apple Watch keine Konkurrenz für das hohe Preissegment bei Uhren. Bei Swatch dürften vor allem mittelpreisige Marken wie Tissot leiden. Auch die Analysten von J. Safra Sarasin, Helvea und Deutsche Bank sehen einige neue Konkurrenz für die hiesigen Uhrenhersteller und vor allem Swatch, aber auch hier vor allem im tieferen und mittleren Preissegment. Nichts desto trotz sei die Bedrohung für traditionelle Uhrenhersteller nicht so hoch wie befürchtet.

Nick Hayek äussert sich an Pressekonferenz

Swatch selber wollte gegenüber Computerworld keinen Kommentar zur Apple Watch oder Plänen zu einer eigenen Smartwatch abgeben. Swatch-Chef Nick Hayek äusserte sich aber heute spontan an einer Pressekonferenz in Zürich zu den neusten Entwicklungen. So sei die Schweizer Uhrenindustrie unter Druck wegen des Schweizer Frankens, nicht wegen Neuentwicklungen bei Smart-Uhren. «Unter Druck sind Firmen, die solche Geräte herstellen. Die Mobiltelefonie, die Apples, die Samsungs, die LG Electronics, die Sonys, die sind hypernervös. Wir sind nicht nervös.» wird er in einem Artikel vom Tages-Anzeiger zitiert. Und süffisant fügte er hinzu: «Die Innovation, die in Cupertino präsentiert wurde, ist die Krone. Erfunden vom Luxusuhrenmacher Abraham Louis Breguet. Das wurde präsentiert als die grosse Neuheit. Ich sage: Wunderbar. Wir fühlen uns da überhaupt nicht benachteiligt.» Auf die Frage zur neuen Konkurrenzsituation gab sich  Hayek betont gelassen: «Wir haben uns damit nicht beschäftigt, wir leben nicht im Rhythmus von Cupertino. Für unsere Planungen hat das überhaupt keine Auswirkungen.»

Die Swatch-Aktie gab heute morgen nach und gehört zu den Tagesverlierern, jedoch sind die neuen Entwicklungen gemäss Analysten kein Grund, die Aktie herunterzustufen.

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