Mögliches Bitcoin-Handelsverbot in China sorgt für Unsicherheit

Einem Medienbericht zufolge erwägt die chinesische Regierung, den Handel mit Bitcoin zu verbieten und Börsen zu schliessen. Es wäre ein grosser Rückschlag für die Krypto-Branche, sollten sich die Gerüchte bewahrheiten.

» Von lp, sda, 11.09.2017 16:15.

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Eine Meldung des chinesischen Wirtschaftsblatts «Caixin sorgte bei Anlegern für reichlich Verunsicherung und verbreitete sich in der Welt der Krypto-Währungen wie ein Lauffeuer. Es hatte von einem Insider erfahren, dass China den Handel mit Bitcoin untersagen wolle und die Schliessung von Handelsplattformen erwäge. Der Bericht schlug umso höhere Wellen, weil in China ein Viertel des globalen Bitcoin-Handels stattfindet und die chinesische Regierung nur kurz zuvor die sogenannten Initial Coin Offerings (ICO) verboten hatte. Über dieses Vehikel werden analog zum Initial Public Offering (IPO) – dem Börsengang eines Unternehmens – neue Digital-Währungen geschaffen. Die Handelsplattformen OkCoin und Huobi hatten jedoch keine zusätzlichen Informationen zu den Gerüchten. Die Zentralbank war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. An der Börse BitStamp verbilligte sich die wichtigste Internet-Währung am Montag trotzdem um 1,1 Prozent auf 4179 Dollar.

Börsianer rätseln nun weiter über die Zukunft des Handels mit Bitcoin & Co. im Reich der Mitte. «Die Leute warten immer noch auf eine offizielle Erklärung des Regulierers», sagte Arthur Hayes, Chef der Handelsplattform BitMEX. Da offenbar nicht alle Anleger dem Medienbericht glaubten, hielten sich die Kursverluste aber bislang in Grenzen. Sollte es allerdings doch dazu kommen, müsse mit einem Bitcoin-Kursrutsch unter 4000 Dollar gerechnet werden.

Umgehen drohender Verbote

Chinesische Anleger versuchen offenbar, ein mögliches Verbot zu umgehen. Über das Wochenende hätten sich viele von ihnen bei der Hongkonger Börse Gatecoin registriert, sagte deren Gründer Aurelien Menant. Ausserdem erlebe er einen massiven Anstieg der Anfragen für einen ICO. Ein chinesischer Investor äusserte jedoch Zweifel, dass die Regierung den Handel mit Cyber-Währungen unterbinden werde. «Es geht um zu viel Geld, um die Leute davon abzuhalten.» Selbst wenn die Börsen in der Volksrepublik geschlossen würden, gebe es Mittel und Wege, um weiterhin mit Kryptowährungen zu handeln.

Den chinesischen Börsen zufolge laufen 90 Prozent des weltweiten Handels mit Cyber-Währungen über ihre Plattformen. Für diese Währungen steht keine Regierung oder Zentralbank ein. Daher wird ihr Kurs allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Geschaffen wird das Geld von Nutzern, deren Computer die dafür benötigten, extrem komplexen Algorithmen berechnen. Da die Cyber-Währungen zudem schnell und anonym rund um die Welt transferiert werden können, sind sie unter anderem für Akteure besonders interessant, die sich Kapitalkontrollen entziehen wollen.

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