Microsofts radikaler Schritt gegen US-Datensammler: Clouddaten werden an die Deutsche Telekom ausgelagert

Microsoft verschiebt Teile seiner Datenbestände in Rechenzentren der Deutschen Telekom. Damit sollen Kunden vor Zugriffen der US-Behörden geschützt werden.

» Von Fabian Vogt , 13.11.2015 10:20.

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Microsoft hat Datensammlern und der restlichen Tech-Welt den Fehdehandschuh hingeworfen. In einem radikalen Schritt verkündeten die Redmonder diese Woche, dass sie Daten ihrer europäischen Kunden künftig in Rechenzentren der Deutschen Telekom speichern werden. Die Dienste Azure, Office 365 und CRM Online werden ab dem zweiten Halbjahr 2016 aus zwei deutschen Rechenzentren angeboten. Der Grund: Die Daten europäischer Regierungsbehörden und Geschäftskunden, wie auch die Daten Millionen Europäer, sollen so ausserhalb der Reichweite von US-Behörden bleiben.

«Kunden können weiterhin unsere öffentlichen, privaten und hybriden Cloud-Lösungen nutzen oder sich dafür entscheiden, unsere Services aus deutschen Rechenzentren zu beziehen und den Zugang zu ihren Daten durch einen deutschen Datentreuhänder kontrollieren zu lassen», erklärte Microsoft-CEO Satya Nadella gemäss der Webseite «Winfuture.de» in Berlin. Die Massnahme lässt sich Microsoft in den nächsten Jahren eine dreistellige Millionensumme kosten. Zumindest ein Teil davon wird auf die Kunden umgelegt: Für die Absicherung werde ein Zuschlag von durchschnittlich 25 Prozent auf den Normalpreis fällig, erklärte Nadella.

Kein Safe Harbour, kein Schutz

Grund für den Schritt dürfte das Safe-Harbour-Urteil sein, das bis anhin festlegte, unter welchen Bedignungen Internetunternehmen Nutzerdaten aus Europa in den USA verarbeiten dürfen. Anfang Oktober kippte der Europäische Gerichtshof das Abkommen, weil die Daten europäischer Internetnutzer laut Urteil des Gerichts «in den USA nicht zureichend vor dem Zugriff der Behörden geschützt» seien.

Noch ist nicht klar, ob und welche Kunden die Möglichkeit nutzen werden. Der Effekt auf die Industrie könnte aber gewaltig sein, falls Europäer von den anderen Cloud-Computing-Anbietern wie Amazon, Google oder Oracle verlangen, dem Beispiel Microsofts zu folgen.

Saya Nadella sagte der «Financial Times», der Schritt sei nötig, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, das seit den Snowden-Enthüllungen verloren gegangen sei. «Wir müssen das Vertrauen unserer Kunden in aller Welt gewinnen und global agieren. Das war, wie wir bisher Geschäfte machten und so soll es auch weiterhin sein.»

Microsoft kämpft seit längerem an vorderster Front gegen die Pflicht, US-Behörden Datendaten abzuliefern, egal wo diese gespeichert sind. Derzeit unter anderem vor einem US-Gericht ein Berufungsverfahren, das darüber entscheidet, ob Microsoft Daten aus ihrem irischen Rechenzentrum herausgeben muss, ohne die Behörden Irlands einzuschalten. Verlieren die Redmonder, dürfte das Arrangement mit der Telekom die einzige Möglichkeit sein, die europäischen Daten vor amerikanischem Zugriff zu schützen. Telekom-Vorstand Reinhard Clemens sagte der Zeitung «Die Welt», ohne Richterentscheid aus Deutschland würde man niemals Daten herauszugeben.

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KOMMENTARE

Fabian Vogt: 13-11-15 14:50

Haha, in der Tat. Einen Federhandschuh hinzuwerfen, würde kaum für Aufsehen sorgen.
Besten Dank für die Meldung Herr Züger, ist korrigiert.

Freundlicher Gruss
Fabian Vogt

Stefan Züger: 13-11-15 14:33

Richtiges Deutsch ist offenbar nicht einmal mehr bei seriösen Publikation im Trend. Was bitte ist ein "Federhandschuh"?
Wer die richtige Antwort nicht weiss, sucht unter https://de.wikipedia.org/wiki/Fehdehandschuh

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