Marius Redli: Die IT-Strategie des BIT

Im laufenden Jahr will das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation 13 Millionen Franken, 2013 dann 40 Millionen Franken einsparen. BIT-Direktor Marius Redli erläutert im Gespräch, wie er diese ehrgeizigen Sparziele erreichen will.

  

» Von Michael Kurzidim, 26.04.2010 08:41.

"Das Wort Einsparungen habe ich eigentlich aus meinem Wortschatz gestrichen, es geht in erster Linie darum, Mehrkosten zu verhindern", sagt Marius Redli, Direktor des Bundesamtes für Informatik und Telekommunikation (BIT). Vor einigen Jahren platzte das Hauptgebäude des BIT an der Monbijoustrasse in Bern aus allen Nähten. Ohne den massiven Einsatz von Virtualisierung wären teure Anbaumassnahmen notwendig geworden, hinzu kommen die realen Einspareffekten der V-Technologien.

Zu den Vorteilen von Virtualisierung zählt Redli folgerichtig die am BIT erzielte Platzeinsparung von 500 Quadradmetern - etwa ein Drittel der Gesamtfläche - und eine Kostenreduktion von 15 bis 20 Prozent. Der Energieverbrauch ging um 52 Prozent zurück und die Serverauslastung stieg von 15 bis 20 auf aktuell 60 Prozent. Ausserdem vereinfacht sich das Management: Die Server-Admin-Ratio, ein gängiger Effizienzparameter, liegt am BIT zurzeit bei etwa 200 zu 1.

Tier-4-Speicher steigt massiv

Heute stelle sich nicht mehr die Frage, ob überhaupt, sondern wo, wann und wie Virtualisierung zum Einsatz komme, betont Redli. Das Bundesamt virtualisiert Mainframes, Server, Netzwerke und Speicher. Zurzeit, Stand März 2010, sind 70 Prozent aller Linux- und 50 Prozent alles Windows-Systeme mithilfe von VMWare-Lösungen virtualisiert. Bei der Datenhaltung verfolgt das BIT ein 4-Tier-System. Tier 1 steht für höchste Verfügbarkeit, höchste Performance und ein proaktives Management, dann graduell absinkend bietet Tier 4 mittlere Verfügbarkeit und geringe Performance auf preiswerten Datrenträgern. Das Bundesarchiv und die Nationalbibliothek seien auf Tier-4-Medien gespeichert, sagt Redli. Der Tier-4-Anteil werde von derzeit 9 auf 60 Prozent ansteigen, so seine Prognose.

VMWare-Projekt startet im Mai

Mithilfe von VMWare ESX und vSphere 4.01 sollen ab Anfang Mai 14 ESX-Serverfarmen mit 1000 virtuellen Maschinen (VM) auf acht ESX-Farmen mit etwa 1300 VMs eingedampft werden. Das Projekt läuft voraussichtlich bis Ende des Jahres. Dabei verfolgt das Bundesamt eine konservative IT-Strategie. "Wenn Software nicht für Virtualisierung zertifiziert ist, lassen wir die Finger davon", so Redli. Das Beschaffungsmodell Cloud Computing werde zurzeit nicht diskutiert. "Wenn wir uns damit auseinandersetzen sollten, dann höchstens intern, als private Cloud. Wir sind nicht die Vorreiter ganz oben auf dem Gartner Hype Cycle", unterstreicht der BIT-Direktor.

 

 

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