«IT-Outsourcing läuft bei Banken anders»

Das IT-Outsourcing von Banken ist entwickelt sich zum Boom-Markt für Inventx. Das Unternehmen will auch mit der Microsoft-Cloud weiter wachsen, sagt Mitinhaber Gregor Stücheli.

» Von Mark Schröder , 21.02.2017 14:30.

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Der Dienstleister Inventx entwickelt sich zum grossen Player beim IT-Outsourcing für die Finanzindustrie. Allein im vergangenen Jahr zählte das Unternehmen 26 neue Kunden – einer davon ist die Swiss Life. Der geschäftsführende Partner Gregor Stücheli spricht über die Herausforderungen des schnellen Wachstums, warum Inventx keine branchenfremden Kunden bedienen will und was sein Traumprojekt ist.

Computerworld: Das abgelaufene Jahr war ein besonderes für Inventx. Welche Bilanz ziehen Sie?

Gregor Stücheli: Ich ziehe eine sehr positive Bilanz – aus zwei Gründen: Erstens haben wir 25 weitere Banken für unser Outsourcing-Angebot gewinnen können. Nach dem Zuschlag der 18 Clientis-Banken haben nochmals 7 Institute ebenfalls gewechselt. Durch diese Abschlüsse sind wir allein im Kerngeschäft auf 35 Banken gewachsen. 

Der zweite Grund ist der Gewinn von Swiss Life als erstes Versicherungsunternehmen. Der Kunde hat 13 Monate evaluiert und neun Anbieter im Detail geprüft. Wir mussten nicht nur unsere Kompetenz im Rechenzentrumsbetrieb oder in Security beweisen, sondern auch die Finanzen offenlegen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen definieren. Am Ende der Evaluation stand der Entscheid, dass Swiss Life alle Rechenzentren in Zürich schliesst und den Betrieb der Hybrid Cloud in die Hände von Inventx legt.

Die beiden Entwicklungen resultieren in einem rekordhohen Auftragsbestand von mehreren hundert Millionen Franken. Das lässt mich zuversichtlich in die Zukunft blicken. 

Welche Erwartungen haben Sie für das laufende Jahr? Haben Sie Ressourcen für noch mehr Banken?

Der Ressourcenaufbau ist ein zentrales Thema. Als inhabergeführtes Unternehmen differenziert sich Inventx durch die Kultur und die Kundennähe. Im Unterschied zu einem Grossbetrieb sind bei uns nicht 500 Datenbankspezialisten, 300 Netzwerk-Profis und 200 Security-Experten angestellt. Eine Hybrid Cloud erfordert, dass Compute, Netzwerk und Storage zusammenspannen. Die Leute, die diese Interaktion beherrschen, benötigen wir. Indem wir sehr sorgfältig auswählen, finden wir die Spezialisten auch. Aber die richtigen Leute zu finden ist eine der grössten Herausforderungen. Trotzdem sind wir in den vergangenen Jahren von 90 auf über 200 Angestellte gewachsen. Nun sollen nochmals 30 bis 50 Personen hinzukommen.

Woher bekommen Sie das Personal?

Von den Finanzdienstleistern selbst, die immer noch Personal abbauen. Das ist natürlich der Idealfall für uns. Allerdings suchen wir Leute, die nicht «verseucht» worden sind bei einem Grosskonzern. Denn wer zu lange dabei ist, läuft Gefahr, nur noch dem Prozess zu gehorchen. Diese Kandidaten sind schwierig. Bei Bewerbern, die nicht im System, sondern am System arbeiten wollen, kommen wir eher ins Geschäft. 

Die zweite Ressource guter Leute ist Deutschland. Sie sind sehr gut qualifiziert und kulturell sowie sprachlich schnell assimiliert. Ausserdem kommen sie gerne nach Chur – im Gegensatz zu den Schweizern. Das war vielleicht die einzige Fehleinschätzung bei der Gründung von Inventx vor sechs Jahren: Der Hauptsitz in Chur ist für Zürcher wenig attraktiv – trotz allem Gerede über Work-Life-Balance. In Chur sitze ich zehn Minuten nach Verlassen des Büros auf dem Velo, in Zürich stehe ist erst eine Stunde im Stau. Um sieben Uhr ist es dann zu dunkel zum Velofahren. Darum habe ich gedacht, auch die Zürcher kommen gern nach Chur. Diese Rechnung ging aber nicht ganz auf. Bei den Deutschen hingegen schon. Sie zügeln von Dresden oder München durchaus nach Chur. 

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