Intel verabschiedet sich vom Tick-Tock-Modell

Die Miniaturisierung hat bei der Prozessorherstellung einen Punkt erreicht, bei dem Intels Zwei-Jahres-Rhythmus seine Gültigkeit verliert.

» Von Simon Gröflin , 24.03.2016 12:39.

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Auf seinen Entwicklungszyklus neuer Prozessoren konnte Intel bislang immer stolz sein. Nun musste sich der Chiphersteller im Rahmen einer Pflichtmitteilung an die US-amerikanische Börsenaufsicht vom 2007 eingeführten «Tick-Tock»-Rhythmus verabschieden. Die Miniaturisierung hat Intels Angaben zufolge bei 20 Nanometern einen Punkt erreicht, an dem der altbewährte Zwei-Jahres-Rhythmus seine Gültigkeit verloren hat.

Zäsur mit Broadwell

So galt etwa im Jahr 2011 «Sandy Bridge» noch als «Tock», weil die ersten CPUs dieser Serie auf dem 32-nm-Fertigungsprozess basierten. Mit «Ivy Bridge» erschien ein Jahr darauf ein «Tick», weil die neue Sandy-Bridge-Mikroarchitektur auf 22 nm statt auf 32 nm feinen Strukturen basierte. So konnte man auch die Leistung, den Takt und die Energieeffizienz erhöhen. Ein Jahr später (2013) folgte mit «Haswell» eine neue Architektur, die wieder auf 22 nm basierte. Obwohl schon im September 2013 angekündigt, hätte Mitte 2014 eigentlich Broadwell folgen müssen, respektive die neue Haswell-Mikroarchitektur mit 14 Nanometern. Stattdessen brachte Intel grösstenteils einen Refresh mit zusätzlichen Haswell-CPUs und wenig spektakulären 100-MHz-Leistungsabständen. «Tick und Tock» setzte dann erst Ende 2014 mit Broadwell wieder ein, allerdings primär für Notebooks. Erste Broadwell-Prozessoren für Desktop erschienen erst knapp vor Skylake (der aktuellen, sechsten Generation).

Aus «Tick-Tock» wird «PAO»

Intel nennt gegenüber der amerikanischen Börsenaufsicht SEC einen neuen Fahrplan namens PAO (Process, Architecture, Optimization). Statt des bislang zweistufigen Tick-Tock-Verfahrens soll PAO einen dreistufigen Plan einläuten. Unter PAO bedeutet das erste Jahr eine Prozessumstellung. Im zweiten Jahr folgt eine Architekturumstellung und im dritten Jahr mit Optimierungen wiederum ein neuer Chip. Intel wurde aber mit technischen Details weniger genau, weil es primär darum ging, der Börsenaufsicht aufzuzeigen, wie es um die Konkurrenzfähigkeit bestellt ist.

Intels Entscheidung ist richtig

Nicht nur Intel, sondern auch TSMC, Samsung und AMD arbeiten mit Hochdruck an neuen Produktionsanlagen. Intels Wechsel zu einem dreijährigen Zyklus macht Sinn. Intel akzeptiert einfach, dass es schwieriger wird, von einem Prozesswechsel zum nächsten vorzudringen, denn jede Verzögerung einer wichtigen Prozessorserie ist für das Unternehmen ein Riesenverlustgeschäft. Allerdings wird damit auch klar: Moore's Law geht definitiv nicht mehr so weiter, wie das der Chiphersteller noch am IDF13 versichern wollte. Moore's Law ist faktisch tot.

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