IBM-Mitarbeitende sollen ins Büro zurückkehren

Weg vom Homeoffice, zurück ins Büro: IBM will seine Mitarbeitenden zurück in die Niederlassungen holen. Für 2600 Angestellte im US-Marketing heisst es nun: entweder umziehen oder Job wechseln.

» Von Luca Perler , 30.03.2017 15:45.

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Strategiewechsel bei IBM: das amerikanischen Unternehmen will Medienberichten zufolge, dass 2600 Mitarbeitende der US-Marketing-Abteilung nur noch in den Firmenräumlichkeiten arbeiten und nicht mehr von zuhause oder unterwegs aus. Gemäss dem Portal «Quartz» informierte die neue Marketing-Leiterin Michelle Peluso die Angestellten in einer Videobotschaft über die bevorstehenden Veränderungen.

Ein Schlüssel zum Erfolg sei für die Managerin, die erst seit knapp einem Jahr im Unternehmen ist, «kreative und inspirierende Arbeitsplätze» – und die gebe es im Büro. Damit hat sie die Abteilung offenbar gehörig aufgemischt. Denn für viele Mitarbeitende bedeute der Richtungswechsel eine radikale Veränderung. Die einzelnen Teams würden künftig auf sechs zentrale Standorte verteilt – Atlanta, Raleigh, Austin, Boston, San Francisco und New York. Konkret heisst das für die Angestellten: entweder umziehen oder Job wechseln. Interne Quellen bezeichneten den IBM-Sinneswandel «Quartz» gegenüber als «niederschmetternde Neuigkeiten».

«Schulter an Schulter» arbeiteten bereits die Design- und Sicherheitsabteilung, das Beschaffungswesen, grosse Teile der IT-Abteilung sowie die Teams, welche an Watson, Watson Health, Watson IoT und dem Cloud Development arbeiten. Andere hätten diesen Schritt noch vor sich. Der Richtungswechsel ist ein Bruch für das Unternehmen, das in dieser Hinsicht eine Pionierrolle einnahm und seit den 80er-Jahren Heimarbeitsplätze für seine Mitarbeiter einrichtete. 2009 arbeiteten 40 Prozent der weltweit 386'000 IBM-Angestellten im Homeoffice. Das Unternehmen konnte so seine Büroflächen massiv verkleinern und jährlich um die 100 Millionen Dollar einsparen.

IBM stellt sich gegen Trends

Mit dem Richtungswechsel schwimmt der Blaue Riese gegen den Strom. Flexible Arbeitsformen sind in der heutigen Arbeitswelt zur Normalität geworden, mit Business-Chat-Apps wie Slack oder Microsoft Teams können sich Abteilungen trotzdem noch austauschen – egal von wo aus gearbeitet wird. Gemäss dem Quartz-Bericht mangelt es IBM aber nicht an Produktivität, sondern an Innovationsfähigkeit. Obwohl die Bereiche Cloud-Computing oder künstliche Intelligenz bei IBM stark wachsen und nun etwa 40 Prozent des Umsatzes ausmachen würden, reiche dies immer noch nicht, um die Verluste aus anderen Bereichen zu kompensieren. «Der Wert von Innovationen ist so hoch, dass er jegliche Produktivitätssteigerung übertrumpft», wird der Management-Professor John Sullivan von der San Francisco State University zitiert. Unternehmen wie Apple oder Facebook machen demnach einen Umsatz von rund zwei Millionen US-Dollar pro Mitarbeiter – bei IBM sind es hingegen 200'000. Der Schlüssel zur Innovation ist laut John Sullivan der persönliche Austausch im Unternehmen.

Computerworld hat nachgefragt, ob sich der Strategiewechsel auch auf Schweizer Arbeitsplätze auswirke. IBM teilte mit, dass das Unternehmen auch hierzulande zunehmend auf agile Projektmanagement-Methoden setze und dafür in Tools und zeitgemässe Arbeitsplätze investiere. Die Teams in ein gemeinsames Arbeitsumfeld zu bringen, sei eine natürliche Folge dieser modernen Arbeitsform. Das Unternehmen biete seinen Mitarbeitenden aber auch künftig noch flexible Arbeitsmodelle an.

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