Huawei: «Nur mit dem Preis kann man nicht argumentieren»

» Von Jens Stark , 04.06.2015 15:41.

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CW: Huawei wurde ja wiederholt von den USA der Spionage bezichtigt. Gut, nach Snowden wissen wir, dass auch US-Technik mit Hintertüren ausgeliefert worden ist. Trotzdem: Wie gewinnen Sie das Vertrauen von sehr vorsichtigen und Sicherheits-bewussten Unternehmen in der Schweiz wie etwa aus der Finanzwelt und der Pharmaindustrie?

Leung: Wir werden tatsächlich immer wieder hierauf angesprochen. Die Vorwürfe bestehen dabei schon seit Jahren. In all dieser Zeit wurden allerdings keinerlei Hinweise bei unseren Produkten gefunden. Im Gegenteil, wir sind sehr um Transparenz bemüht und lassen uns von unabhängigen Stellen auf Herz und Nieren testen. In einigen Fällen geben wir sogar unseren Source Code heraus. Letztes Beispiel ist ein Bericht der britischen Regierung über unsere Tochter Huawei Cyber Security Evaluation Centre (HCSEC), in dem steht, dass keine Gefahr von Huawei für die kritischen Infrastrukturen des Königreichs ausgeht.

Das Problem mit diesen Überprüfungen ist allerdings noch, dass diese in jedem Land unterschiedlich sind und es leider noch keine weltweite Auditing-Instanz gibt.

Mittlerweile erhalten wir auch immer weniger kritische Fragen. Die Firmen sehen, dass wir in diesem Bereich sehr viel tun, und gutieren unsere Efforts. In Sachen Transparenz werden wir inzwischen eher als führend angesehen.

CW: Lassen Sie uns über den Telekom-Markt sprechen. Auch hier haben Sie mit Ericsson einen grossen Konkurrenten. Wie unterscheiden Sie sich?

Leung: Darf ich zunächst festhalten, dass wir im Carrier-Markt in Sachen Umsatz inzwischen global zur Nummer 1  aufgestiegen sind. Aber Sie haben Recht: Huawei und Ericsson sind hier die grössten Anbieter. Zu Ericsson gibt es aber beträchtliche Unterschiede. Die Firma ist fokussiert im Bereich Wireless. Das sind wir auch, unser Portfolio ist aber grösser. So sind wir etwa stark in optischer Netzwerkausrüstung, im klassischen Telefonnetz und im IP-Core. Wir haben also ein viel grösseres Produkte-Portfolio im Angebot.

Gerade im Carrier-Markt sind aber noch zwei weitere Punkte sehr wichtig: Die finanzielle Stärke des Anbieters und die Langlebigkeit. Denn in diesem Business wird über sehr grosse Zeithorizonte investiert. Da muss ein Anbieter auch eine bedeutende Entwicklungsabteilung haben, um sicherstellen zu können, dass er bei der Weiterentwicklung der Technik langfristig an vorderster Front mit von der Partie ist.

CW: Was sind die grössten Herausforderungen?

Es gibt hier zwei Hauptaufgaben. Zum einen müssen wir technisch gesehen, ein enormes Wachstum an Daten bewältigen. zum andern erhalten die Telekomanbieter immer weniger Geld für die Dienstleistungen. Als Lösungsanbieter müssen wir somit Technik liefern, die einerseits mit dem Datenwachstum fertig wird, und andererseits die Kosten der Telcos in Schach hält.

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