Goldrausch bei Cyber-Währungen schürt Angst vor Crash

» Von Patricia Uhlig und Hakan Ersen, Reuters, 21.08.2017 15:27.

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Dem Branchendienst CoinMarketCap zufolge liegt der Wert der auf Plattformen wie BitStamp gehandelten Cyber-Währungen zusammengerechnet bei etwa 102 Milliarden Euro. Das ist fast sieben Mal so viel wie zu Jahresbeginn. Die Summe entspricht in etwa dem Börsenwert des grössten europäischen Software-Herstellers SAP und entfällt rund zur Hälfte auf Bitcoin.

Das rasante Wachstum verdankt der Markt nicht zuletzt der Kursexplosion der mit Abstand wichtigsten Cyber-Währung, die zugleich auch eine der ältesten ist. Ein Bitcoin kostete vor kurzem rund 4500 Dollar. Damit hat sich der Kurs seit Jahresbeginn verfünffacht.

Richtig steil bergauf ging es Anfang August, als Bitcoin aufgespalten wurde - in Bitcoin und Bitcoin Cash. Zudem gab es ein Software-Update, wodurch das sogenannte Schürfen - die Herstellung von Bitcoin durch die Berechnung komplexer Formeln - beschleunigt wird. Die maximale Anzahl der Bitcoin ist beschränkt. Je mehr davon im Umlauf sind, desto aufwendiger werden die Kalkulationen.

Nur die Starken überleben

Parallel dazu bieten aufstrebende Software-Firmen neue Kryptowährungen an. Über sogenannte Initial Coin Offerings (analog zum Initial Public Offering, dem Börsengang einer Aktiengesellschaft) sammelten sie 2017 bis Mitte Juli knapp eine Milliarde Euro bei Anlegern ein. Das ist etwa zehn Mal so viel wie im gesamten Vorjahr.

Im Windschatten des Bitcoin-Hypes legen auch die Kurse der neuen Cyberwährungen meist rasant zu. Insgesamt sind derzeit laut CoinMarketCap 850 im Umlauf.

Kritiker bemängeln die fehlende Regulierung des Cybergeldes. «Da werden Werte aus dem Nichts geschaffen», sagt Rob Moffat, Partner bei dem auf Finanzsoftwarefirmen spezialisierten Risikokapitalgeber Balderton. «Da steckt keinerlei Substanz dahinter. Alles basiert auf der öffentlichen Wahrnehmung.»

Japan und Australien haben Bitcoin bereits in einen gesetzlichen Rahmen eingebunden. Japan hat die Währung im Frühjahr sogar als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert. In den USA und der Schweiz liegen bei den zuständigen Behörden Anträge auf Zulassung börsennotierter Bitcoin-Fonds (ETFs) auf dem Tisch.

Wer in Bitcoin investiert, muss sich auf erhebliche Preis-Schwankungen einstellen. «Auch in Zukunft wird es solche Turbulenzen geben, zumal derzeit schon eine Preisübertreibung zu erkennen ist», sagt Analyst Timo Emden vom Brokerhaus DailyFX. «Aber sobald Bitcoin und andere Währungen im Mainstream angekommen sind, ist der Kurs nicht mehr aufzuhalten.»

Auf dem Weg dahin müssten Bitcoin & Co. aber einen harten Ausleseprozess durchlaufen, betont Ripple-Manager Vias. «Werden einige diese Währungen verschwinden? Natürlich. Wir werden Darwinismus in Echtzeit erleben. Nur die Starken werden überleben.»

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