«Geräte, die hier niemand mehr will, können anderswo gebraucht werden»

Labdoo und Computacenter Schweiz sind eine Partnerschaft eingegangen, um gebrauchte Rechner für einen guten Zweck zu sammeln. Die Firmenverantwortlichen erklären im Interview, warum sie das tun.

» Von Fabian Vogt , 15.12.2016 11:00.

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Computacenter unterstützt das gemeinnützige Hilfsprojekt Labdoo. Labdoo ist eine weltweit agierende Nichtregierungsorganisation (NGO) mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu IT und Bildung zu ermöglichen. In der Partnerschaft mit Labdoo dient Computacenter zunächst als Sammelstelle für gebrauchte Hardware. Entsprechende Endgeräte werden kostenlos von privaten oder geschäftlichen Spendern entgegengenommen, auf Gebrauchsfähigkeit und eine mögliche Weiterverwertung geprüft und anschliessend an Labdoo weitergegeben. Labdoo sorgt für die gebrauchsfähige Aufbereitung. Im Interview erzählen uns die Verantwortlichen, Frank Geisler, Hub-Leiter von Labdoo Zürich, sowie Massimiliano D'Auria, CEO Computacenter AG, was sie sich von der Partnerschaft erhoffen.

 

Computerworld: Guten Tag Herr Geisler. Was ist Labdoo?

Frank Geisler: Labdoo ist eine weltweit tätige Nichtregierungsorganisation, die Kinder, Schulen und Flüchtlinge mit ausgedienter IT versorgen will. Labdoo gibt es seit 2010, in der Schweiz sind wir seit 2012 aktiv. Wir haben weltweit bislang rund 9000 Laptops gesammelt und sind in über 100 Ländern präsent.

Wenn ich also einen ausrangierten Laptop habe, sende ich diesen Ihnen und Sie schicken ihn denen, die ihn noch brauchen können?

Geisler: Genau. Zuvor löschen wir aber alle Daten und setzen ein neues Betriebssystem auf (Lubuntu). Wird das Gerät an einen Ort geschickt, der nicht über flächendeckendes Internet verfügt, liefern wir auch eine Offline-Wikipedia-Variante mit, die vom SOS-Kinderdorf abgesegnet ist.

Wie wird die Distribution organisiert?

Geisler: Freiwillige Helfer bringen die Geräte per Handgepäck an die Orte. So sparen wir Gepäckkosten und können sichergehen, dass die Geräte nicht beschädigt werden.

Falls eine bedürftige Schule dieses Interview lesen sollte: Was müssen die Verantwortlichen tun, um auch in den Genuss von Gratis-IT zu kommen?

Geisler: Gratis ist das Stichwort. Wer mit Labdoo zusammenarbeiten will, muss einen Antrag stellen. Dabei ist entscheidend, dass die Geräte weder verkauft noch vermietet, sondern gratis an die Kinder abgegeben werden. Wenn die Geräte das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, müssen sie entweder vor Ort recycelt oder an uns zurückgesendet werden.

Herr D’Auria, erklären Sie unseren Lesern bitte kurz, was Computacenter macht.

Massimiliano D’Auria: Ich habe die Firma vor 18 Jahren als Damax AG gegründet, seit 2011 gehören wir zur international tätigen Computacenter plc. Wir sind das grösste unabhängige Repair-Center der Schweiz und reparieren rund 50‘000 Geräte im Jahr. Daneben bieten wir auch Managed Services an, betreiben einen Service Desk und sind vor allem im Bereich IT-Projekte und Consulting tätig. Alles ist fokussiert auf die IT-Infrastruktur rund um elektronische Arbeitsplätze.

Wieso nun die Zusammenarbeit mit Labdoo?

D’Auria: Uns werden immer wieder Geräte gebracht, die niemand mehr will, die aber noch funktionieren. Seit jeher versuchen wir, mit Stiftungen zusammenzuarbeiten, die ausrangierte Hardware brauchen können. Dabei ist mir wichtig, dass diese Organisationen nicht an Geld interessiert sind und wir wissen, was mit den Geräten geschieht. Labdoo hat beide Bedingungen erfüllt.

Geisler: Der erste Schritt ging tatsächlich von Computacenter aus, die per Zufall auf unsere Aktivitäten gestossen sind. Schnell wurde beiden Parteien klar, dass eine Zusammenarbeit profitabel ist. Dabei rede ich nicht von monetären Zielen, in unserer Partnerschaft fliesst kein Geld. Aber wir erhalten dadurch mehr Laptop-Spenden und haben zudem kompetente Ansprechpartner bei kniffligen Peripherie-Fragen.

Wie entscheiden Sie, welche Geräte Labdoo zur Verfügung gestellt werden?

D’Auria: Es geht nur um Geräte, bei denen die Garantie abgelaufen ist und die der Kunde ausdrücklich nicht mehr will. Nach Absprache dürfen wir diese weiterverwenden und testen zuerst, ob sie noch funktionieren. Wenn das so ist, geben wir sie an Labdoo weiter. Unser Aufwand dabei ist sehr gering. Wie Frank Geisler sagt, sind dabei keine finanziellen Interessen im Spiel. Wir sind in der Lage, Bedürftigen zu helfen und tun dies gerne.

Wie wichtig ist die Partnerschaft für Labdoo?

Geisler: Sehr wichtig. Ohne einen solchen Partner könnten wir unsere Ziele viel schwieriger erreichen. Besonders, da die Spendenbereitschaft in der Schweiz extrem gross ist. Nirgends ist das koordinierte Spendenvolumen grösser. Wir erhalten gerade von Unternehmen viel mehr Spenden als unsere ausländischen Kollegen.  Anstatt potenzielle Spender suchen zu müssen, erhalten wir mit dem Repair-Center von Computacenter eine zentrale Sammelstelle. Diese Partnerschaft ist weltweit einmalig.

Fragt denn Computacenter bei den Unternehmen bereits nach Spenden an?

D’Auria: Noch nicht. Es geht in erster Instanz um die Nicht-Garantie-Fälle. In Zukunft wird das bestimmt ein Thema werden, zuerst wollen wir diese Partnerschaft aber im Privatkundenbereich etablieren. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wenn sich jeder in unserer Gesellschaft engagieren würde wie Labdoo, wäre das Zusammenleben um einiges angenehmer.

Geisler: Auch wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit. Wir wissen bereits, wohin wir die Hardware liefern können und warten nur auf die ersten Gerätespenden.

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